Mit Origami-Ohrwurm auf Studienreise

Seit 2016 pflegt der Fachbereich Soziale Arbeit einen Partnerschaftsaustausch mit der Nagasaki Junshin Catholic University. Im Mai ist nun zum ersten Mal eine Studiengruppe der KH Mainz nach Japan gereist. Beim Nachtreffen ließen die Teilnehmer ihre Eindrücke revuepassieren.

 

Beim Einstudieren des Origami-Liedes. (Bild:KH Mainz)

Zur Begrüßung und zum Abschied gab es ein großes Buffet und selbstgebastelte Grüße. (Bild: KH Mainz)

Turnstunde in einem Kindergarten in Nagasaki. (Bild: KH Mainz)

Unterwegs in Nagasaki. (Bild: KH Mainz)

Mit einem üppigen Buffet und gebastelten Girlanden haben Professoren und Studierende der Nagasaki Junshin Catholic University ihre Gäste der Katholischen Hochschule Mainz begrüßt. Die Begeisterung über die herzliche und respektvolle Art der japanischen Gastgeber ist beim Nachtreffen immer noch spürbar.

Vom 14. bis 24. Mai tauchten sechs Studierende des Fachbereichs Soziale Arbeit in die japanische Kultur ein. Begleitet wurden sie von Prof. Dr. Ulrich Papenkort (Dekan des Fachbereichs Soziale Arbeit), Patricia Missler (Referentin Internationales KH Mainz) und Dr. Florian Pressmar (Lehrbeauftragter im Fachbereich Soziale Arbeit). Die Teilnehmenden der Studienreise lernten die Partneruni kennen und erkundeten soziale Einrichtungen in Nagasaki. „Ein Highlight an der Uni war die Origami-Bastelstunde, in der wir die traditionelle Papierfaltkunst ausprobieren konnten. Das dazugehörige Origami-Lied haben wir noch lange danach immer wieder gesungen“, erzählt Christina Schmidt.

Im Laufe der zehntägigen Reise tauschten die Studierenden für eine Nacht ihr Bett im Hotel mit einer Unterkunft bei japanischen Gastfamilien und verbrachten mit ihnen einen Tag in Nagasaki. Katrin Krüger wurde von ihrer 14-jährigen Gastschwester erst einmal in die Mall und auf ein Festival „entführt“. Denn die Exotin aus Europa musste unbedingt den Freundinnen präsentiert werden. „Die Mädels waren ganz aus dem Häuschen. Begrüßten mich mit „Ah, the German!“ und ständig wollte jemand mit mir ein Bild machen. Das war schon verrückt und etwas anstrengend, aber auch irgendwie toll“, lacht Katrin. Der Vater ihres jugendlichen Fans ist Koch in einer stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung, die die Gruppe besuchte. Kontakt hat Katrin immer noch:
„Ich habe einen Brief bekommen und die Familie würde sich freuen, wenn ich ihnen deutsches Bier schicke. Das Paket ist in Vorbereitung“. Pegah Aghamohammadi war bei einem Professor der Partneruni untergebracht. „Ich habe das gemeinsame Kochen besonders genossen. Das Essen in Japan mochte ich sehr und jetzt habe ich ganz viele japanische Rezepte.“

Bei den Teilnehmenden der Studienreise klingt nicht nur das Origami-Lied nach. Auf bedrückende Art beeindruckend sei auch der Besuch des Museums zum Atombombenabwurf auf Nagasaki gewesen. Insbesondere da die Gruppe zuvor ein Altenheim besucht hatte, in dem heute noch Menschen leben, die den Atombombenangriff miterlebt haben.

Für große Freude – nicht nur bei den Gästen – sorgte der Besuch eines Kindergartens in Nagasaki. Eine schweißtreibende Angelegenheit, denn bei über 30 Grad stand für die Studierenden eine Turn- und Sportstunde mit den Kindern auf dem Programm. „Wir wurden unter anderem in eine Bocksprung-Übung eingebunden - quasi als Hindernis. Die Kinder waren wahnsinnig offen und neugierig, redeten und redeten und haben uns kleine Geschenke gebastelt“, erinnert sich Peter Häckel.

Die Nagasaki Junshin Catholic University hat bei den Studierenden ebenfalls Eindruck hinterlassen. Sie liegt etwas außerhalb von Nagasaki und ist mit ihren rund 1.200 Studierenden in etwa so groß wie die KH Mainz. „Man hat von dort aus einen herrlichen Blick auf die Bucht von Nagasaki. Alles ist sehr gepflegt, inklusive Koi-Karpfen im Teich. Studierende, Professoren und Mitarbeitende haben sich für uns unglaublich engagiert. Man hat gespürt, dass es ihnen sehr wichtig ist, dass wir uns wohlfühlen“, erzählt Patricia Missler.

In Vortragsrunden an der Universität gaben die Studieren ihren Gastgebern Einblicke in die deutsche Kultur. Anhand von Berichten zu ihren studienintegrierten Praktika stellten sie verschiedene Bereiche der Sozialen Arbeit in Deutschland vor. In Fachgesprächen unter Kollegen wurde der Kontakt zwischen den Hochschulen weiter vertieft.

2015 hatte Prof. Shinichiro Araki auf einer Deutschlandreise den Kontakt zur KH Mainz geknüpft. „Prof. Araki hat in Tübingen studiert und beherrscht die deutsche Sprache sehr gut. Für den weiteren Auf- und Ausbau des Kontakts war das für uns natürlich perfekt“, berichtet Prof. Dr. Papenkort, der seinen Kollegen in Japan besuchte und damit den Kontakt vertiefte.
„Inzwischen gibt es eine Vereinbarung zwischen unseren Hochschulen zur Förderung des gegenseitigen Austauschs und der Kooperation. Im November 2016 besuchte uns eine Gruppe japanischer Studierender und nun erfolgte sozusagen der erste Gegenbesuch.“ Diesen wechselseitigen Austausch wolle man auch in Zukunft fortführen. Denkbar seien darüber hinaus Aufenthalte von Studierenden für Recherchen oder Erhebungen, beispielsweise für Bachelor- oder Masterarbeiten, erläutert Papenkort.

Vier Wochen nach ihrer Rückkehr gilt es für die Teilnehmer der Studienreise immer noch hunderte von Fotos zu sortieren und die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Die Zeitverschiebung, die starken Kulturunterschiede und das volle Programm - das war anstrengend. Doch man merkt den Studierenden an, dass sie Einzigartiges erlebt haben. Eine Reise, die noch lange nachklingen wird.