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Gute Pflege braucht Haltung

An der Fachtagung „Haltung entwickeln als pädagogische Aufgabe – Gute Pflege von Menschen mit Demenz“ der Katholischen Hochschule Mainz und der Arbeitsgemeinschaft Pflege des Landesgremiums Demenz Rheinland-Pfalz haben am 05.09.2017 rund 130 Lehrende sowie Fach- und Führungskräfte aus der Pflege teilgenommen.

v.l.: Prof. Dr. Hermann Brandenburg (Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar), Sabine Bätzing-Lichtenthäler (Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz), Prof. Dr. Renate Stemmer (Leitung der AG Pflege des Landesgremiums Demenz), Prof. Dr. Ingrid Darmann-Finck (Universität Bremen), Prof. Dr. Martin Klose (Rektor der Katholischen Hochschule Mainz), Sandra Postel (Leitung der AG Pflege des Landesgremiums Demenz)

Seit der Gründung des Fachbereichs Gesundheit und Pflege im Jahr 1992 gilt gerontologischen Fragestellungen in Lehre und Forschung an der KH Mainz ein besonderes Interesse, betonte Rektor Prof. Dr. Martin Klose bei der Begrüßung der Teilnehmenden.
Die Idee und inhaltliche Konzeption für die Fachtagung gingen aus der Arbeitsgemeinschaft Pflege des Landesgremiums Demenz hervor, die von Prof. Dr. Renate Stemmer, Professorin für Pflegewissenschaft und Pflegemanagement an der KH Mainz, sowie Sandra Postel, stellvertretende Präsidentin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, geleitet wird.
Innerhalb des Landesgremiums Demenz arbeiten Experten und Praktiker in verschiedenen Arbeitsgruppen an der Weiterentwicklung der Teilhabe und Versorgung von Menschen mit Demenz in Rheinland-Pfalz. Das Gremium wurde 2015 von Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz, berufen und ist Teil der rheinland-pfälzischen Demenzstrategie.

Die Ministerin beschrieb in ihrem Grußwort die vielfältige und breit gefächerte Demenzstrategie als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Wir setzen auf die professionenübergreifende Vernetzung und Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure und die gezielte Stärkung sozialräumlicher Hilfesysteme.“ Gemeinsames Ziel sei die Weiterentwicklung und Stärkung einer Kooperationskultur in der Gesellschaft, um Menschen mit Demenz eine gute und wertschätzende Versorgung und Begleitung in ihrem vertrauten Umfeld zu ermöglichen und ihre pflegenden Angehörigen zu unterstützen. „Menschen mit Demenz haben ein Recht auf Selbstbestimmung, Mitbestimmung, Teilhabe und Unterstützung. Sie haben ein Recht darauf, Teil unseres Lebens, unserer Gemeinschaft zu sein und sie haben ein uneingeschränktes Recht auf Würde und einen wertschätzenden Umgang“, so der Appell von Bätzing-Lichtenthäler an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachtagung.

Im Mittelpunkt der Tagung stand das Thema Haltung in der Pflege. „Qualitativ gute Pflege und eine personenzentrierte Haltung der Pflegenden im Umgang mit demenzkranken Menschen stehen in engem Zusammenhang. Ein verstehendes Vorgehen, das durch Wertschätzung, Respekt, Vertrauen, Biographieorientierung und die Anerkennung der Einzigartigkeit jedes Menschen geprägt ist, ist wesentlicher Bestandteil des personenzentrierten Ansatzes“, erklärt Prof. Dr. Renate Stemmer. An einer solchen
Haltung zu arbeiten und sie kontinuierlich weiterzuentwickeln sei eine große persönliche Herausforderung und zugleich eine wichtige Aufgabe in der theoretischen und praktischen Ausbildung von Pflegekräften, ergänzt Stemmer.
Vor diesem Hintergrund hat die Arbeitsgemeinschaft Pflege, Fortbildungen für Pflegepädagogen und Praxisanleiter in der Pflege erarbeitet. Ziel ist es, fachliche und didaktische Kompetenzen zur Vermittlung einer personenzentrierten Haltung im Umgang mit Menschen mit einer Demenzerkrankung zu stärken. In ihrem Fachvortrag stellte Prof. Dr. Renate Stemmer das Konzept der Fortbildungsreihe vor, an der inzwischen 80 Pflegepädagogen und Praxisanleiter teilgenommen haben.
Prof. Dr. Ingrid Darmann-Finck, Universität Bremen, richtete in ihrem Vortrag den Fokus auf die Entwicklung und Vermittlung Kommunikativer Kompetenz in der Pflege und deren Bedeutung für den Aufbau einer personenzentrierten Haltung. Aktuelle Entwicklungen in der Versorgung von Menschen mit Demenz wurden von Prof. Dr. Hermann Brandenburg, Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar, vorgestellt. Am Nachmittag setzten sich die Teilnehmenden der Fachtagung in Workshops mit didaktischen Aspekten personenzentrierter Haltung sowie innovativen Pflege- und Versorgungskonzepten für Menschen mit Demenz auseinander.

Für die Zukunft planen die Verantwortlichen der Arbeitsgemeinschaft Pflege des Landesgremiums Demenz die angestoßenen Fortbildungsangebote fortzuführen. „Die Fortbildungen wurden von der Katholischen Hochschule Mainz evaluiert. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass der Bedarf vorhanden ist und das Angebot ausgesprochen positiv bewertet wird“, berichtet Stemmer. Damit Weiterentwicklung von Haltung gelingen kann, sei neben persönlicher Bereitschaft und didaktischer Kompetenz allerdings auch Zeit und
Raum für die Auseinandersetzung mit neuen Inhalten und eigenen Erfahrungen notwendig. Die Befragung der Fortbildungsteilnehmer habe gezeigt, dass dies im Arbeitsalltag zum Teil nicht gewährleistet sei und organisatorische oder auch unterrichtsdidaktische Vorgaben zum Hindernis werden, ergänzt Stemmer. Für die Arbeitsgemeinschaft sei dies ein Aspekt, den man weiter verfolgen wolle. Denn die Pflege von Menschen mit Demenz spiele in allen Arbeitsfeldern der Pflege eine immer größer werdende Rolle.