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Hintergrund

Die Physiotherapie besitzt derzeit und zukünftig für die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung eine große Bedeutung. Denn aufgrund der demografischen Entwicklung und der damit einhergehenden Multimorbidität werden Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten immer häufiger zur Behandlung von älteren und chronisch kranken Menschen hinzugezogen. Gleichzeitig werden eine sektorenübergreifende Gesundheitsversorgung und die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Physiotherapie mit anderen Gesundheitsberufen weiter an Bedeutung gewinnen. Diese Herausforderung lässt sich nur über eine ausreichende Anzahl und gut ausgebildete Fachkräfte sicherstellen.

Die Ausbildung zur Physiotherapeutin und zum Physiotherapeuten ist bundeseinheitlich im Masseur- und Physiotherapeutengesetz (MPhG) und der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Physiotherapeuten (PhysTh-APrV) von 1994 geregelt. Um den gestiegenen Anforderungen in der fach- und bedarfsgerechten Versorgung der Bevölkerung durch physiotherapeutische Maßnahmen gerecht zu werden, erstellte eine Lehrplankommission der Katholischen Hochschule Mainz, im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz im Jahr 2017 einen „Rahmenlehrplan und Ausbildungsrahmenplan zur Ausbildung zur Physiotherapeutin und zum Physiotherapeuten in Rheinland-Pfalz“.

Neu am Ausbildungsrahmenplan Rheinland-Pfalz ist die Abkehr von der fächerstrukturierten Ausbildung und eine Hinwendung zum sogenannten „modularisierten Lernfeldkonzept“. Ausgangspunkt des lernfeldorientierten Konzepts ist nicht mehr die fachwissenschaftliche Theorie. Es wird von beruflichen Problemstellungen ausgegangen, die aus dem beruflichen Handlungsfeld entwickelt und didaktisch aufbereitet werden. Das für die berufliche Handlungsfähigkeit erforderliche Wissen wird auf dieser Grundlage generiert. Kompetenz-, Handlungs- und Lernfeldorientierung rücken in den Mittelpunkt mit dem Ziel, eine umfassende Handlungskompetenz in der Ausbildung zu erwerben. Es ist deshalb nicht mehr wie bisher isoliertes Fachwissen aus Einzelwissenschaften sondern Handlungskompetenz in spezifischen Berufssituationen zu überprüfen.

Zur modularisierten Ausbildung in der Physiotherapie empfiehlt die Lehrplankommission, die Möglichkeiten fallorientierter Prüfungsgestaltung zu prüfen und umzusetzen, um den Lernfeldbezug und der Modularisierung des Lehrplans Rechnung zu tragen. Diese Empfehlung basiert auf der curricular-didaktischen Notwendigkeit, die Strukturmerkmale und Inhalte des Lehrplans auch für die Abschlussprüfungen wirksam werden zu lassen. Derzeit basiert die Prüfung, entsprechend der PhysTh-APrV, auf dem Fächerkanon der Ausbildung. Regelungsmöglichkeiten auf Landesebene unter Berücksichtigung der geltenden Ausbildungs- und Prüfungsverordnung sind durch das Gesundheitsfachberufegesetz (GFB) gemäß § 5 gegeben.

Zielsetzung

Das Land Rheinland-Pfalz hat sich entschlossen, auf dieser rechtlichen Basis „Empfehlungen zur Prüfungsgestaltung in der Physiotherapieausbildung in Rheinland-Pfalz“ zu erstellen. Die Empfehlungen, der Rahmenlehrplan und Ausbildungsrahmenplan werden gemäß § 5 Abs. 2, Satz 2 und 4 Gesundheitsfachberufegesetz (GFG) für die Ausbildung in der Physiotherapie und für die Schulen der Gesundheitsfachberufe verbindlich sein. Die Vorgaben der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Physiotherapeuten (PhysTh-APrV) und des Masseur- und Physiotherapeutengesetz (MPhG) sind dabei zu berücksichtigen.

Die Empfehlungen zur Prüfungsgestaltung werden Aussagen zum schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil der Prüfung und Aussagen zum schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil der Ergänzungsprüfung bei verkürzter Ausbildung enthalten. Struktur und Form der Ausführung wird sich weitestgehend an den „Richtlinien zu den Prüfungen in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege des Landes Rheinland-Pfalz“ (Berichte aus der Pflege Nr. 5 in der Fassung vom November 2015 msagd.rlp.de/fileadmin/msagd/Gesundheit_und_Pflege/GP_Dokumente/Bericht_aus_der_Pflege_Nr_5_2015.pdf; November 2015) orientieren.

Auf einen Blick

ProjektleitungProf. in Dr. Susanne Schewior-Popp
FinanzierungMinisterium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz
Laufzeit2019-2020