Schriftgröße A A A

OLE - Organisationales Lernen in stationären Einrichtungen der Altenhilfe

Hintergrund

In Deutschland leben ca. 743.000 Menschen in vollstationären Pflegeeinrichtungen. Zu den oft beklagten Mängeln bei der Versorgung von Menschen mit Pflegebedarf gehören die ‚Soziale Teilhabe‘ und ‚Autonomie‘. Dabei ist von einem engen Zusammenhang dieser Defizite mit der Organisationskultur einer Einrichtung sowie den damit verbundenen Partizipations- und Mitsprachemöglichkeiten der dort Tätigen auszugehen. Diese Wechselbeziehung und ihre Auswirkungen auf die Pflege- und Versorgungsqualität stehen im Mittelpunkt des Projekts OLE (Organisationales Lernen in Einrichtungen der stationären Altenhilfe). Gefördert wird das Projekt im Rahmen der Förderrichtlinie SILQUA-FH („Soziale Innovationen für Lebensqualität im Alter“) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).
Das Projekt OLE erarbeitet Empfehlungen über geeignete Interventionsstrategien zur Erhöhung von Lebensqualität sowie zur Stärkung von Selbstständigkeit, Teilhabe und Autonomie von Bewohnerinnen und Bewohnern. Speziell für die Leitungsebene werden außerdem Handlungsempfehlungen zur nachhaltigen Kulturveränderung in stationären Pflegeeinrichtungen durch Verbesserung der Partizipations- und Mitsprachemöglichkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter formuliert. Besonders interessant für die tägliche Praxis werden die Erkenntnisse zu den Wirkungen der kollegialen Beratung als niedrigschwelliges Instrument sein, um organisationskulturelle Veränderungen zu initiieren. Ferner sind Erkenntnisse zur konkreten Gestaltung von organisationalem Lernen in Einrichtungen der Altenpflege zu erwarten.

Zielsetzung

Das Projekt OLE will als wichtigstes Ziel die Autonomie und Selbstständigkeit von Bewohnerinnen und Bewohnern in stationären Pflegeeinrichtungen stärken und damit ihre Lebensqualität verbessern. Erreicht werden soll dies durch einen organisationalen Lernprozess, in dessen Mittelpunkt die Stärkung von Autonomie und Selbstständigkeit der beruflich Tätigen im Pflegeheim steht. Dies gelingt aber nur, wenn die Kultur der jeweiligen Organisation den dort Tätigen einen solchen Rahmen zulässt und sie mit entsprechenden Veränderungen umgehen kann. Dieses Vorgehen stellt ein Novum in der stationären Pflege in Deutschland dar. Das Projekt bietet wichtige Impulse für die pflegerische Praxis, denn auf diesem Wege werden relevante Empfehlungen für die Gestaltung lernender Organisationen im gesamten Gesundheits- und Pflegebereich möglich.

Methoden

Das Ziel des Projekts OLE ist sowohl die Verbesserung von Teilhabe und Autonomie bei BewohnerInnen wie die Förderung von Selbstständigkeit und Selbstbestimmung bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ermöglicht werden soll das durch die Veränderung der Organisationskultur.
Im Rahmen des Projekts werden daher zwei aufeinander bezogene Interventionsstrategien verfolgt: a) die Implementierung der Methode der kollegialen Beratung zwecks Lösung von fachlichen und organisationalen Fragestellungen durch die beruflich Tätigen selbst, b) die Schulung der professionell Pflegenden zum Themenbereich Autonomieförderung, Teilhabe und Selbstständigkeit von Bewohnerinnen und Bewohnern. Vor und nach diesen Interventionen erfolgt eine umfangreiche empirische Beschreibung des jeweiligen Ist-Zustandes der Organisation, um daraus Veränderungen und deren Bedeutung zu rekonstruieren.
Jeweils zwei Pflegeeinrichtungen in der Nähe von Mainz und München haben sich zur Umsetzung des Projektes bereit erklärt. In den beteiligten Einrichtungen, die sich im Hinblick auf Trägerschaft und Größe unterscheiden, leben insgesamt etwa 350 Bewohnerinnen und Bewohner. In das Projekt einbezogen werden ca. 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Um die Wirkungen der beiden Interventionsstrategien „kollegiale Beratung“ und Schulungen zum Themenbereich Autonomieförderung, Teilhabe und Selbstständigkeit von Bewohnerinnen und Bewohnern zu untersuchen, werden sowohl vor der Einführung der beiden Strategien wie danach Daten zur Beschreibung der Organisation sowie ihrer Veränderung genutzt. Zur Anwendung kommen unterschiedliche, sich gegenseitig ergänzende Verfahren der quantitativen und qualitativen Sozialforschung (Dokumentenanalysen, Beobachtung, Fragebogenerhebungen mit standardisierten Messinstrumenten, Gruppendiskussionen, Experteninterviews, episodische Interviews).
Zur Kontrolle des Projektverlaufes werden Verfahren einer begleitenden Evaluation genutzt (Formblatt mit administrativen Eckpunkten zur Dokumentation der kollegialen Beratung, vierteljährliche wohnbereichsbezogene Reflexionsgespräche).

Auf einen Blick

Projektkoordination/-leitungProf.in Dr. Renate Stemmer, Katholische
Hochschule Mainz
ProjektleitungProf. Dr. Steve Strupeit, Hochschule für
angewandte Wissenschaften München
FinanzierungBundesministerium für Bildung und Forschung
Laufzeit2016 - 2019
PublikationenBurkart, Günter; Meyer, Nikolaus; Stemmer, Renate (2016): Organisationales Lernen in Einrichtungen der stationären Altenhilfe als Ermöglichung von Autonomie und Partizipation. In: Der Pädagogische Blick. Zeitschrift für Wissenschaft und Praxis in pädagogischen Berufen. 23. Jg./Heft 4. Weinheim: Beltz, S. 209-217
Weitere Informationenhttp://organisation-lernen.de/

 

 

Presse

Henneberg, Carolin (2016): Positive Erfahrungen weitergeben. Projekt der Katholischen Hochschule soll Lebensqualität im DRK-Seniorenzentrum weiter verbessern. In: „Offenbach Post“ vom 10. Juni 2016.
Gesellschaft für kirchliche Publizistik Mainz (Hg.) (2016): Für mehr Autonomie. Katholische Hoch-schule Mainz forscht zu Alter und Gesundheit. In: „Glaube und Leben. Die Kirchenzeitung für das Bistum Mainz“ vom 24. April 2016, S. 14.

OLE unterwegs

06.10.2016 
„Peer Group Supervision as a tool for Nursing Homes as Learning Organisations”. Posterpräsentation in der Kategorie „Management“ auf dem 5th European Nursing Congress „Caring for Older People: How Can We Do the Right Things Right?” in Rotterdam (Netherlands), 04.-07.10.2016.
Prof.in Dr. phil. Renate Stemmer & Dipl.-Päd. Nikolaus Meyer
08.09.2016 
„Partizipationsmöglichkeiten von MitarbeiterInnen in Einrichtungen der stationären Altenhilfe“. Beitrag zum Symposium „Soziale Teilhabe und Alter. Empirische Daten zur differenten Bedeutung eines relevanten Begriffs“ auf dem 14. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie, 28. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, 5. Gemeinsamer Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie und der Schweizerischen Gesellschaft für Gerontologie, 3. Gemeinsamer Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie und der Schweizerischen Fachgesellschaft für Geriatrie sowie 10. Gemeinsamer Deutsch-Österreichischer Geriatriekongress „Leben und Altern – Funktionalität und Qualität“ in Stuttgart, 07.-10.09.2016.
Prof.in Dr. phil. Renate Stemmer, Dipl.-Pflegepäd. (FH) Sabine Glanz & Dipl.-Päd. Nikolaus Meyer
08.09.2016 
„Soziale Teilhabe und Alter. Empirische Daten zur differenten Bedeutung eines relevanten Begriffs“. Symposium mit Beiträgen von Prof. Dr. Hermann Brandenburg, Arne Buss MSc., Dipl.-Pflegepäd. (FH) Sabine Glanz, Dipl.-Päd. Nikolaus Meyer, Annika Schmidt MSc., Prof.in Dr. Renate Stemmer, Prof. Dr. Steve Strupeit sowie Prof.in Dr. Karin Wolf-Ostermann auf dem 14. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie, 5. Gemeinsamer Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie und der Schweizerischen Gesellschaft für Gerontologie sowie 3. Gemeinsamer Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie „Leben und Altern – Funktionalität und Qualität“ in Stuttgart, 07.-10.09.2016.
Prof.in Dr. phil. Renate Stemmer & Dipl.-Päd. Nikolaus Meyer
20.- 22.09.2015
„Verbesserung der Versorgungsqualität in Einrichtungen der stationären Altenhilfe durch organisationales Lernen“. Poster, 3-Länderkonferenz Pflege und Pflegewissenschaft, Konstanz,  20.-22.09.2015
Prof.in Dr. Renate Stemmer & Prof.in Dr. Christa Büker