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forum sociale Mainz e.V. zeichnet wieder herausragende Abschlussarbeiten aus

Der mit je 1.000 Euro dotierte Förderpreis der Hochschulgesellschaft wurde im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung an Joshua Heil, FB Gesundheit und Pflege, sowie Thea Schmollinger, FB Soziale Arbeit, übergeben.

Die beiden diesjährigen Preisträger Thea Schmollinger M.A. und Joschua Heil B.A.

Der Vorsitzende von Forum sociale Mainz e.V. Prof. Peter Orth (l.) zusammen mit der Jury des Förderpreises (v.l.): G. Fink, Prof. Dr. U. Rieke, Prof. Dr. H. Maasberg, C. Kemmer-Lutz, Prof. Dr. D. Baum.

Mit ihren Arbeiten hatten die Preisträgerin und der Preisträger die fünfköpfige Jury methodisch und analytisch so überzeugt, dass die Wahl am Ende nicht schwer gefallen sei, wie Prof. Dr. Detlef Baum in seiner Würdigung betonte. Besonders hob Baum die gesellschaftliche Relevanz der beiden prämierten Arbeiten hervor, die geeignet seien, den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen. Die anschließende Vorstellung der beiden Arbeiten sollte ihm Recht geben.

"Virtual Reality in der Physiotherapie - Ein Vergleich zu konventionellen Techniken für die Rehabilitation von motorischen Defiziten der oberen Extremitäten nach Schlaganfall" - was im Titel der Bachelorarbeit noch sperrig klang, erwies sich im anschaulichen Vortrag von Joschua Heil als spannende Schilderung des regenerativen Einsatzes von Computerspielen in der Physiotherapie. So zeigten sich bei seiner Auswertung zahlreicher empirischer Studien zu nicht-immersiven Ansätzen für seine Bachelor-Arbeit, dass der Einsatz von Spielekonsolen und Co. in einer virtuellen Umgebung in mehrfacher Hinsicht der ausschließlich konventionellen Physiotherapie überlegen ist. Der Patient/die Patientin muss sich nicht nur dem beeinträchtigten Muskel oder Gelenk widmen, sondern zugleich weitere Synapsen im Gehirn aktivieren, um die komplexen Spieleanordnungen der virtuellen Realität zu erfassen und deren stetig wachsende Aufgabenstellungen zu erfüllen. Regenerative Prozesse laufen folglich neurologisch betrachtet umfassender ab. Die Motivation der Betroffenen ist meist höher, die Konzentration hält länger an, Therapiedichte und -dauer sind intensiver. Auch wenn die klassische Physiotherapie nicht virtuell ersetzt werden kann, verwies J. Heil am Ende seines Vortrages auf die vielversprechenden Perspektiven der "Virtual Reality" in der Physiotherapie: Telerehabilitation wird nicht zuletzt angesichts eines drohenden Therapeuten/-innenmangels ein attraktives Feld für Therapeuten/-innen und Softwarehersteller.

Thea Schmollinger berichtete in ihrem Vortrag über ihre empirisch angelegte Masterarbeit "Bewältigung im Post-Migrations-Kontext. Bewältigungsressourcen und -strategien von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen". Bewusst hatte sich T. Schmollinger gegen eine Defizitorientierung ihrer Analyse entschieden. Statt dessen sollte es um die Ressourcen gehen, die die jungen Menschen im Ankunftsland entwickeln bzw. sich erschließen. In ihren Interviews mit Geflüchteten ging es ihr folglich nicht darum, ihre Opferrolle in den Blick zu nehmen, sondern statt dessen ihre Rolle als handelndes Subjekt zu beleuchten. Dadurch gelang es T. Schmollinger, Resilienzfaktoren herauszuarbeiten, die sowohl den Geflüchteten selber als auch den Menschen nützen, die sich im Alltag um die schutzbedürftigen Jugendlichen kümmern und ihnen bei der Integration in die Ausfnahmegesellschaft helfen sollen.

Dass vor allem den pädagogischen Fachkräften hierbei eine zentrale Bedeutung zukommt, verwundert nicht so sehr. Grund hierfür ist aber nicht nur die Aufgabe, Familienersatz in der fremden Umgebung zu sein und emotionale Unterstützung zu geben, sondern - auf instrumenteller Ebene - die Aufgabe, Experte für Alltags- bzw. Handlungswissen zu sein. Ähnliche Funktionen suchen sich die Jugendlichen auch in ihrem (neuen) Freundeskreis im Ankunftsland: Positive Rollenvorbilder werden gezielt gesucht, wie die Interviews von T. Schmollinger zeigten. In der Folge mobilisieren und nutzen die Jugendlichen ganz gezielt die Kompetenzen und das Wissen Anderer für sich. In ihrem Fazit warb T. Schmollinger denn auch damit, die jungen Geflüchteten als "kompetente" Akteure zu sehen und nicht primär als Hilfsbedürftige.

Peter Orth, Vorsitzender von Forum sociale Mainz e.V., überreichte im Anschluss das Preisgeld an die Preisträgerin und den Preisträger und beglückwünschte diese zu ihren Leistungen. In seinem Schlusswort formulierte der Rektor der KH Mainz, Prof. Dr. Martin Klose, seine Hoffnung, dass diese Auszeichnung zu weiterem wissenschaftlichem Erkenntnisgewinn ansporne.