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Stipendium der Hochschulgesellschaft forum sociale Mainz e.V. unterstützt Praktikum in Sri Lanka

Celia Daude, Studentin im dritten Semester des Master-Studiengangs "Pädagogik in Gesundheit und Pflege" an der KH Mainz, absolvierte im Februar 2020 ein pädagogisches Praktikum bei der Organisation Volunteer Sri Lanka in Galle (Sri Lanka).

I Allgemeine Erfahrungen

Ich absolvierte mein pädagogisches Praktikum in Galle, Sri Lanka mit der Organisation Volunteer Sri Lanka. Da ich das Land bereits von einer Reise kannte, entschied ich mich für ein dortiges Praktikum, um es über eine weitere Perspektive kennenzulernen. Indem ich in dem Land arbeitete und nicht nur reiste, konnte ich einen intensiveren Zugang zu den Menschen, der Kultur und dem Schulsystem erlangen.

Bei der Suche einer passenden Organisation halfen mir sehr die Erfahrungsberichte anderer Studierender und der persönliche Austausch. Durch die Teilnahme an dem Treffen „Reflexion und Inspiration Auslandsaufenthalt“ meines letzten Auslandaufenthalts, wurde ich auf Sri Lanka aufmerksam und erhielt wichtige Informationen und Kontaktdaten. Ich schickte eine kurze Bewerbung mit den Zielen und dem Zeitraum des Praktikums, meiner Motivation und meinem Lebenslauf. Zeitnah erhielt ich eine positive Rückmeldung und buchte sobald ich eine schriftliche Zusage hatte, die Flüge. Nach meinen Erfahrungen ist das frühe Buchen sinnvoll und man kann etwa 500 Euro für den Hin- und Rückflug kalkulieren. Ein Visum für einen Monat erhält man am Flughafen bei der Einreise und in der Hauptstadt Colombo kann man es verlängern lassen. Hingegen beantragte ich ein dreimonatiges Visum bereits in Deutschland, indem ich meinen Reisepass (mindestens noch sechs Monate gültig) und einen frankierten Briefumschlag an das Konsulat von Sri Lanka in Frankfurt sendete. Ich informierte mich telefonisch über das Vorgehen und die Kosten. Eine Auslandsreiseversicherung ist zu empfehlen, diese kann man günstig über seine bereits bestehende Krankenversicherung abschließen. Die Kosten für die Organisation und die Unterkunft betrugen 220 Euro die Woche, darin war auch eine Vollverpflegung enthalten. Ebenfalls entstanden geringe Kosten für den Tuk-Tuk-Fahrer, der uns zu den Projekten brachte. Der Außenbereich der Anlage ist sehr grün und gemütlich. Es gibt einen offenen Aufenthaltsraum, in dem man zusammensitzt, sich austauscht und die Projekte vorbereitet. Das Zimmer teilte ich mir mit einer Niederländerin, das Bett war gemütlich und es gab einen Ventilator. Allerdings waren einige der Räume nicht mehr im besten Zustand und die Bäder eher einfach gehalten.

In Sri Lanka spricht man Sinhala und in einigen Regionen Tamil, in den Projekten wurde ausschließlich Sinhala gesprochen. Es empfiehlt sich, die Begrüßungen und einige wichtige Vokabeln vor Ort zu lernen. Unser Ansprechpartner Janaka und seine Tochter Koeli halfen dabei sehr gerne. In Sri Lanka habe ich mich sehr willkommen gefühlt, es war leicht ins Gespräch zu kommen und somit etwas über das Land zu lernen. Etwa 70 Prozent der Bevölkerung sind Buddhisten und glauben an Karma und versuchen deshalb, mindestens einmal im Monat wohltätig zu handeln, indem sie unter anderem Essen verteilen oder Altenheime besuchen. Ferner gibt es Hindus, Muslime und wenige Katholiken.

II Zusammenfassende Beurteilung

a) Allgemeine Eindrücke zur Institution

Für das erfolgreiche Absolvieren des ersten und auch des zweiten pädagogischen Praktikums kann in die Organisation empfehlen. Die Projektauswahl ist sehr vielseitig, man kann sich verschiedene Bereiche anschauen und dann entscheiden, wo man eingesetzt werden möchte. Ich habe es als sehr bereichernd empfunden, die verschiedenen Projekte kennenzulernen. Es gab einige Schulen, an denen auf Englisch unterrichtet wird, wobei man trotzdem die sprachlichen Barrieren beachten muss. So sollte man gut mit den Ansprechpartner*innen die Ziele des Praktikums besprechen. Das Praktikum sieht eine Videoaufnahme von einer Unterrichtsstunde vor, was sich aufgrund der Sprachbarriere zunächst als Herausforderung darstellte. Schließlich fand ich eine Lösung in der Nurses School, in der die Schüler*innen ein gutes Englischniveau aufwiesen. Ansonsten unterrichtete und therapierte ich an der Sacred Heart School Mädchen mit Behinderung. Diese sprechen kein Englisch, aber die Lehrerinnen helfen beim Übersetzen und Anleiten. Als Logopädin hatte ich auch die Möglichkeit, Patient*innen mit einer Dysphagie, Aphasie oder Sprechapraxie mit Hilfe eines Übersetzers zu therapieren. Ebenfalls verbrachte ich ein paar Tage in einem Heim für junge und alte Menschen mit Behinderung und in einem Altenheim, was beides eine sehr bereichernde Erfahrung darstellte. Unser Hauptansprechpartner war wie gesagt Janaka; er und seine Familie waren sehr gastfreundlich und hilfsbereit. So gab es immer die Möglichkeit, über unsere Erfahrungen, Projekte oder auch Sorgen zu sprechen. Ebenfalls waren weitere Freiwillige aus verschiedenen Ländern vor Ort, wodurch ein intensiver Austausch entstand. Auch konnte man so gemeinsame Unternehmungen, wie Strandbesuche, Wanderungen oder eine Safari organisieren.

b) Inhaltliche Bewertung der Institution

In meiner Arbeit habe ich mich sehr frei gefühlt. Man muss sich bewusst sein, dass man eigenverantwortlich handelt. In der Regel gab es eine Ansprechpartner*in, doch oft wurde das Projekt einem überlassen. Auch konnte ich mich mit den anderen Freiwilligen austauschen oder auch Janaka miteinbeziehen. In der Unterkunft gibt es eine große Auswahl an Materialien, wie Bücher, Stifte, Schreibtafeln, Papier und Spiele, was ich als sehr hilfreich empfand.

Für mich persönlich hat das Praktikum einen guten Einblick in das dortige Schul- und Gesundheitssystem gewährt. Ich habe gelernt, mich sprachlich dem jeweiligen Englischniveau der Lernenden anzupassen, mir bei fehlenden Englischkenntnissen Hilfe zu holen oder Gesten einzusetzen. Das Arbeiten in Sri Lanka hat mich vor die Herausforderung gestellt, unter sehr heißen Temperaturen, mit wenig Technik und teilweise wenig Materialien, zu agieren. Hierbei gewann Spontanität an Bedeutung, fast jeden Tag waren die Bedingungen etwas anders, beispielsweise die Anzahl der Schüler*innen.

c) Kritik und Empfehlung

Persönlich war der Aufenthalt sehr bereichernd für mich, ich habe viel über das Land, die Politik, Kultur und über mich gelernt. Trotzdem stieß ich in gewissen Bereichen an meine Grenzen, teilweise stellte sich die Arbeit unter hohen Temperaturen als sehr herausfordernd dar. Die Konzentration und Geduld aufrechtzuerhalten kann anstrengend sein, besonders wenn man mit Kindern arbeitet. Ebenfalls möchte ich nochmals betonen, dass man sich der sprachlichen Barrieren bewusst sein sollte und dementsprechend umdenken muss. Eine klassische Anwendung der gelernten Unterrichtsmethoden ist nur teilweise möglich. So sollte man viel Zeit in die Unterrichtsvorbereitung geben, stetig über sein Handeln reflektieren und in den Austausch gehen. Ergänzend möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass man mit Geldspenden vorsichtig sein sollte. Ich empfehle, das Geld direkt vor Ort zu investieren, so kann man sichergehen, dass es wirklich zu den vorgesehenen Personen gelangt. Was für Materialien oder Gegenstände angeschafft werden sollten, kann in Absprache mit den jeweiligen Ansprechpartner*innen geschehen. Ebenfalls sollte ein Teil des Geldes, das man an die Organisation zahlt, an das Projekt gehen, indem man am meisten involviert war. Jedoch ging nicht transparent hervor, wie viel Geld an die Organisation oder ob Geld an die Projekte gegeben wurde.

Trotzdem kann ich die Institution weiterempfehlen. Es fand ein bereichernder interkultureller Austausch statt, wodurch sich meine Perspektiven auf die Pädagogik und das Land verändert haben. Man kann auch mit wenigen Ressourcen viel erreichen, besonders durch Zusammenarbeit und Austausch. Auch gelang es mir durch das Praktikum, meine logopädischen Kenntnisse mit der Pädagogik zu verbinden. Ich möchte jeden dazu ermutigen, eine Auslandserfahrung zu machen, seine Augen für andere Kulturen zu öffnen und seine Perspektiven zu erweitern.