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Alumni at work

Welche Eindrücke haben Sie von Ihrem Studium noch in Erinnerung?

Im Vergleich zu anderen Unis, die sie kennengelernt habe, seien ihr insbesondere die familiäre Betreuung und der schöne Rahmen des Studiums mit den kleinen Gruppen in einem überschaubaren Haus in Erinnerung geblieben, berichtet Sophie Bunse. Wichtig sei der persönliche Kontakt zu den Dozierenden gewesen, die es verstanden hätten Freude an der Wissenschaft zu wecken – unter anderem durch Projekte in kleinen Gruppen. Private Lerngruppen hätten diese familiäre Atmosphäre vertieft. „In der Cafeteria kannten uns die Mitarbeiter persönlich. Das trägt zum Wohlfühlen bei“, betont Sophie Bunse.

Heute sind Sie als Gemeindereferentin tätig. Was sind Ihre zentralen Aufgabengebiete?

Zur Zeit sei sie in den Feldern der Firmvorbereitung und der Jugendpastoral tätig, erzählt Sophie Bunse. Hierzu zählen die Betreuung der Vorbereitungskreise und die Durchführung der Kleinkindergottesdienste. Gleichzeitig gehöre auch die Altenheimpastoral zu ihren Aufgabengebieten, genauso wie die Ökumene in der Stadt und Schulgottesdienste an weiterführenden Schulen. „Es geht mir in meinem Beruf sehr gut; ich habe genau das gefunden, was ich gesucht habe. Der klare Vorteil meines Berufes ist die Vielseitigkeit der Zielgruppen und Aufgaben – gepaart mit der Freiwilligkeit der Leute, mit denen ich arbeite.“
Die unterschiedlichen Arbeitsgebiete könne sie miteinander gut vernetzen. So fragt sie beispielsweise die Bewohner eines Seniorenheims, was sie zu einem Thema denken und bringt dies in die Umsetzung des Themas in der Jungendpostoral ein. Dabei würden sich oft neue Perspektiven ergeben, denn jedes Lebensalter mache sich eigene Gedanken, die zu bedenken sehr bereichernd sei. Auch bei der Hauskommunion nehme sie oft Dinge oder thematische Aspekte mit hinein, die gerade bei der Jugend oder bei Kindern aktuell sind. „Diese Vielfalt und Buntheit macht die Stärke von Gemeinde aus. Was mir aber das wichtigste Anliegen ist: Ich möchte den Glauben verkünden, das weitergeben, was weiter trägt – in der Hoffnung, dass es auch andere tragen kann."

Was ist die größte Herausforderung bei Ihre Tätigkeit?

Die erste Herausforderung sei das Zeitmanagement. „Ich arbeite völlig eigenverantwortlich in eigener Zeiteinteilung. Das muss gemanagt werden, vor allem, da die Termine sich sehr stark nach den Adressaten meiner Arbeit richten. Das heißt, ich habe auch viele Abendtermine. Da sind Absprachen zu Hause sehr wichtig, damit man auch noch Zeit mit dem (Ehe-)Partner verbringen kann und eigene Auszeiten einplant“, erklärt Sophie Bunse.
Die zweite Herausforderung stelle die Teamarbeit dar. „Pastorale Mitarbeiter müssen Teamplayer sein und mit allen anderen Diensten zusammen arbeiten. Das ist nicht immer einfach.“
Als dritte Herausforderung benennt Sophie Bunse, Jesus Christus in einer Zeit zu verkündigen, in der säkulare Tendenzen immer stärker werden. Hier müsse sie sich der Konkurrenz stellen. Es gäbe vielfältige andere Angebote, die für die Menschen attraktiv seien, z.B. auch gegenüber dem Sonntagsgottesdienst. Trotzdem daran festzuhalten, dafür zu werben und Gottesdienste attraktiv zu machen – das sei herausfordernd. „Aber jede große Herausforderung ist auch eine große Chance, und ich habe Freude an jedem kleinen Erfolg."

Sie tragen in Gottesdiensten ein liturgisches Gewand. Warum haben Sie sich hierfür entschieden?

Das sei eine bewusste Entscheidung in der Berufsanfangszeit gewesen, berichtet Sophie Bunse. Es gäbe hier keine Vorgaben (z.B. seitens des Bistums), sondern jeder müsse dies persönlich entscheiden. „Wenn ich eine liturgische Funktion ausübe, dann bin ich in einer anderen Rolle und anders präsent als ein regulärer Gottesdienstbesucher. Ich bin dann auch für die Teilnehmer anders präsent, wenn ich ein liturgisches Gewand trage. Ich werde dadurch kein besserer oder anderer Mensch. Ich trage es auch nicht, weil ich Theologin bin; jeder kann das tragen. Denn ich trage ein weißes Gewand, also ein Taufgewand ohne jede liturgische Farbe“, erklärt Sophie Bunse.

Was ist die schönste Seite Ihres Berufs?

„Der Beruf der Gemeindereferentin hat viele schöne Seiten. Es ist gerade die Vielseitigkeit. Jeder Tag ist anders, jeder Tag ist reich an unterschiedlichen Dingen und Aufgaben. Und der Beruf wächst mit - mit zunehmendem Alter kann ich meine Aufgabengebiete verändern. Meine Lebensthemen sind auch in meinem Beruf zu finden“, sagt Sophie Bunse.
Bereichernd sei zudem ihre Tätigkeit in der Ausbildung. Als Kursbegleiterin für die Kollegen/-innen in der dreijährigen Berufseinführung gestaltet sie jeden Monat einen Studientag. „Das ist für mich sehr bereichernd. Ich betrachte das als eine Art Generationenvertrag; ich kann den Jüngeren etwas mitgeben, zum Beispiel mein Wissen um Berufsrolle, Zeitmanagement und Abgrenzung. Und ich lerne von Ihnen: Was beschäftigt junge Kolleginnen und Kollegen heute?“

Welchen Rat geben Sie heutigen Studierenden?

Das Statement von Sophie Bunse zu dieser Frage lautet: „Nehmt inhaltlich und methodisch alles mit, was ihr finden könnt. Es wird euch bereichern und ihr werdet es irgendwann gebrauchen können! Trefft für euch Entscheidungen - werdet euch klar darüber, was ihr werden und was ihr wie tun wollt! Positioniert euch zu bestimmten Themen, kristallisiert einen klaren Standpunkt heraus, bezieht begründet Standpunkte! Ihr müsst Entscheidungen treffen, für euch eine Linie finden und das immer mit Begründungen und nicht nur aus einem  Bauchgefühl heraus. Dann seid ihr für die Praxis gut aufgestellt.“

Welchen Rat geben Sie der KH, den Dozenten und Dozentinnen?

Der KH gibt Sophie Bunse folgendes mit auf den Weg:
„Ich war überwiegend zufrieden; deswegen fällt es mir schwer, einen Rat zu finden. Ich kam vorher von der Uni, war dann an der Fachhochschule und habe danach noch einmal an der Uni studiert. Ich kann im Rückblick sagen: Es war an keiner Uni so schön wie an der KH Mainz. Die Lernatmosphäre in Mainz war einzigartig. Meinem Fachbereich kann ich empfehlen: Geht noch etwas näher an die Bistümer heran, an ihre Spezifika. Die zukünftigen Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten müssen ja deren Strukturen und pastoralen Pläne kennen. Sehr beeindruckend war für mich ein Seminar auf dem Friedhof mit dem inzwischen verstorbenen Prof. Schuster. Vielleicht wäre auch das ein Tipp: Verlasst ab und zu die Räume der Hochschule und sucht andere Lernorte auf.“

 

Das Gespräch führte Prof. Peter Orth im November 2015 / Bilder: Bunse