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10 Jahre Hochschulpartnerschaft mit Tula/Russische Föderation

Prof. Dr. Konstantin Podrezov, Prorektor für Forschung an der Tolstoi Universität, eröffnet die Konferenz.

Der Fachkräfteaustausch der Katholischen Hochschule Mainz im Fachbereich Soziale Arbeit begann im Jahr 2005. Anlass des ersten Besuchs von Mainzer Professorinnen und Professoren in Tula war ein Kooperationsangebot der Pädagogischen Leo Tolstoi Universität mit dem Wunsch nach Unterstützung beim Aufbau neuer, einem veränderten Bedarf entsprechender Konzepte der Jugend- und Präventionsarbeit.

Tula ist eine Stadt mit ca. 500.000 Einwohnern und liegt 200 km südlich von Moskau. Sie ist bekannt als Zentrum der Eisen- und Waffenindustrie, für Lebkuchen und Samovarherstellung. Innerhalb Russlands ist sie jedoch auch für ihre zahlreichen Bildungseinrichtungen, vor allem juristische Institute und Akademien, renommiert. Tula ist eine sehr alte Stadt mit einem völlig restaurierten und gerade neu gestalteten Kreml. Im November 2015 wurde das 750jährige Stadtjubiläum gefeiert.

Die Pädagogische Universität trägt den Namen des großen russischen Schriftstellers Leo Tolstoi (*09.09.1821 auf dem Gut Jasnaja Poljana 16 km von Tula – gestorben am 20.11.1910), dessen reformpädagogische Bestrebungen nach dem Vorbild Rousseaus bis in die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts die Grundschulbildung in Russland maßgeblich beeinflussten.
An der Pädagogischen Leo Tolstoi Universität sind aktuell rund 7000 Studierende in verschiedenen Fakultäten eingeschrieben. Fast alle studieren mit dem Ziel Lehramt an verschiedenen Schulformen, wobei Lehrer/-innen dort einen großen erzieherischen Aufgabenbereich haben, der weit über die Wissensvermittlung, aber auch über die Schule selbst hinausgeht.

Hochschul- und gesellschaftspolitisch relevante Themen, auch zum Selbstverständnis und zur Professionalisierung Sozialer Arbeit in beiden Ländern, standen im Mittelpunkt der Gespräche von Kooperationsbeginn an. Fragestellungen der Kinder- und Jugendhilfe bildeten zunehmend inhaltliche Schwerpunkte. Zudem fokussierte die Kooperation auf die Ausbildung von Fachkräften der Sozialen Arbeit. Bereits 2006 wurde gemeinsam ein Curriculum „Soziale Arbeit“ für einen neuen BA-Studiengang zwischen der KH Mainz und Tula erarbeitet. In den letzten 10 Jahren fanden zahlreiche Aktivitäten, vor allem jährlich wechselseitige Studienpraktika in Mainz und Tula mit je 10 Studierenden, statt. Gemeinsame Lehrveranstaltungen und Hospitationen in Praxiseinrichtungen sowie interkulturelle und landeskundliche Angebote sind Inhalte dieser Studienwochen. Neben dem professionellen Austausch haben sich persönliche Beziehungen entwickelt, die diese internationale Kooperation auf vielen Ebenen bereichern.

 

 

 

 

 

Prof. Dr. Wolfgang Feuerhelm und Prof.in Ruth Remmel-Faßbender im Kreis der Referentinnen aus Tula.

 

Zum 10jährigen Jubiläum der Partnerschaft wurde eine Konferenz zum Thema "Soziokulturelle und psychologische Probleme der modernen Familie: die aktuellen Fragen der Begleitung und Unterstützung“ vom 21.-22.Oktober 2015 unter Leitung  des Vize-Rektors für Forschung, Prof. Konstantin Podrezov, veranstaltet. Neben über 70 Fachkräften und Studierenden waren zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik anwesend, die der Unterstützung junger Familien zur Prävention von Kindeswohlgefährdung einen großen Stellenwert in ihren Reden beigemessen haben. In diesem fachlichen  Rahmen, aber auch im begleitenden Programm wurde die 10jährige Hochschulpartnerschaft von beiden Seiten gewürdigt und gefeiert.


In Vertretung des Rektors der KH Mainz, Prof. Dr. Martin Klose, hielt der Dekan des Fachbereichs Soziale Arbeit, Prof. Dr. Ulrich Papenkort, zu Konferenzbeginn das Grußwort und überreichte die Gastgeschenke unserer Hochschule. In der Plenumsauftaktveranstaltung referierten von Seiten der KH Mainz Prof.in Ruth Remmel-Faßbender zum Thema „Interventionskonzepte zur frühen Unterstützung junger Familien und Alleinerziehender“ sowie Prof. Dr. Wolfgang Feuerhelm zum Thema „Frühe Hilfen - Rechtliche Dimensionen. Aktuelle Entwicklungen im Kinderschutz“. Beide Themen sind als Fachbeiträge in der zur Tagung erschienenen  russischen Hochschulpublikation enthalten (Soziokulturelle und psychologische Probleme der modernen Familien: aktuelle Fragen der Begleitung und Unterstützung;  Materialien der internationalen wissenschaftlich-praktischen Konferenz in Tula, 21.–22. Oktober 2015 - verantw. Red.: Stepanova N. A. – Tula: Tula Poligrafist, 2015 – 496 S.).

 

 

 

 

Der Dekan des Fachbereichs Soziale Arbeit, Prof. Dr. Ulrich Papenkort, überbrachte das Grußwort der KH Mainz und überreichte die Gastgeschenke unserer Hochschule.

 

Am Nachmittag  des ersten Konferenztages fanden verschiedene Workshops mit Fachkräften, aber auch mit den Masterstudierenden der Fakultäten Soziale Arbeit und  Sozialwissenschaften, statt. Der zweite Tag des Kongresses mit weiteren Vorträgen unsererseits fand am Folgetag, auch unter großer Beteiligung von Fachkräften, im Zentrum „Perspektive“  statt. Das Zentrum unterbreitet eine Palette unterschiedlichster Angebote für Kinder, Jugendliche und Eltern. Diese reichen von Freizeitaktivitäten bis hin zu pädagogischen Kursen und Weiterbildungsangeboten für Fachkräfte.

Auf dem Programm stand außerdem ein Besuch in der Beratungs- und Aufnahmestelle des 1. Krisenzentrums für von Gewalt betroffene Frauen für die Stadt Tula und die Region Tula. Die dazu gehörende Wohngruppe für Frauen und Kinder befindet sich 10 km außerhalb von Tula. Gerade hier gab es intensive Diskussionen und Vergleiche zwischen den Konzepten und der Leitorientierung fachlichen Handelns beider Länder.

Es waren wie immer anregende, spannende Tage mit vielen Fachgesprächen, auch speziell zu Kooperationsmöglichkeiten im neuen, 2016 an der KH Mainz startenden internationalen Bachelor-Studiengang „Sozialwissenschaften: Migration und Integration / Social Sciences: Migration and Integration”. Ein weiterer Schwerpunkt war die Vorbereitung einiger Themen für die im Dezember an der KH Mainz durchgeführte internationale Studienwoche „Integrierte Versorgungskonzepte für Familien mit komplexen Problemlagen“, an der die Dekanin der Fakultät Soziale Arbeit/Sozialpädagogik und vier Studierende aus Tula neben Vertreterinnen und Vertretern unserer Partnerhochschulen in St. Petersburg, Warschau und Riga teilnahmen. Im Juni  2016 wird eine Gruppe aus dem Bachelorstudiengang Soziale Arbeit wieder nach Tula reisen.

Wir bedanken uns herzlich bei den Kolleginnen und Kollegen in Tula, besonders beim Rektor, Prof. Dr. Vladimir Panin, sowie der Prorektorin für Internationales, Prof. Zhanna Fomicheva für 10 Jahre vertrauensvoller Zusammenarbeit. Ein besonderer Dank gilt auch unserer langjährigen hervorragenden und unermüdlichen  Übersetzerin (sowohl in Tula als auch in Mainz) Dr. Jana Nesterova, ohne die wir vieles überhaupt nicht leisten könnten.

 

von Prof.in Ruth Remmel-Faßbender/ Bilder: KH Mainz