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Studytrip to Ireland: Studierendenalltag in Maynooth – Touristentrubel in Dublin

Pressemeldung: „Die Flugbegleiter Gewerkschaft UFO streikt weiterhin, der Flug nach Dublin wird annuliert.“ Als Lufthansa-sms, Freitag 17.44 Uhr: „We apologize that your flight LH 978 FRA-DUB …has been cancelled.” Grandios. Da stand unsere Reise nach Irland also erstmal in den Sternen. Panik und Verzweiflung machte sich unter den Studierenden breit. Es wurden ca. 241 E-Mails versendet, Anrufe getätigt und Gebete gen Himmel geschickt. Und tatsächlich: dank eines abendlichen Blitzbesuchs am FRA-Airport durch Herrn Müller-Geib saßen wir am Sonntag, den 08.11.15 um 16:35 alle im Flieger nach Dublin (zwischenzeitig kam Spannung aufgrund eines Sprengstoffverdachtes bei einer der Studierenden auf. Was eine Handcreme alles vermag…).

Die Woche war wie folgt geplant: Sonntag bis Donnerstag: Maynooth; Teilnahme an Lehrveranstaltungen des St. Patrick Colleges und der Maynooth University (NUIM) oder: Wie ticken die irischen Studierenden? Donnerstag bis Sonntag: Dublin; Trinity College, zwei Kathedralen, Sightseeing, Shopping, Temple Bar, Exkursion nach Glendalough. Oder: Wie viel kann ein Mensch in vier Tagen laufen?

Zuerst einmal muss erwähnt werden, dass das St. Patrick´s College in Maynooth den Gebäuden eines Harry Potter Filmes gleicht. Es ist ein Ehrfurcht erweckender und schöner Campus, klassisch graue Gebäude mit verschiedenen Kapellen, die zum Gebet einladen. Zu unserer Freude konnten wir die meisten Lehrveranstaltungen mit unserer Kommilitonin Corinna Zeh (die gerade ihr Erasmus-Auslandssemester in Maynooth absolviert) besuchen. Durch ihre Hilfe fanden wir alle Räume und wurden schnell mit den Eigenheiten des St. Patrick´s Colleges vertraut: z. B. „tea time“ zwischen 10:40-11:20 Uhr (bei dieser gibt es für alle Studierenden und Lehrenden Tee und Kekse).

Wir besuchten verschiedene Lehrveranstaltungen in Bioethik, Dogmatik, Exegese, Pastoraltheologie, Kirchenrecht und Liturgik. Viele Inhalte konnten wir mit denen unserer eigenen Lehrveranstaltungen verknüpfen. Am St. Patrick´s College sind die Theologen eine kleine, aber feine Gruppe, so wie wir es von der KH kennen. Deshalb konnten wir uns schnell dort einfinden. Die Lehrveranstaltung in irischem Englisch zu hören, war für einige eine Herausforderung, aber dank Smartphone-Google und unbegrenztem WLAN auf dem gesamten Collegegelände machbar. Die Tage in Maynooth waren lehr- und aufschlussreich und eine Bereicherung für uns Studierende. Wir hatten eine sehr schöne Zeit in Maynooth, was zum einem an unserer fantastischen Reisegruppe lag und zum anderen an unserem tollen und immer witzigen Begleiter, Herrn Müller-Geib. Selbst wenn er für die zweite programmgemäße Reflexionsrunde Englisch als „Amtssprache“ durchsetzte…

Auch für uns Sozialarbeiterinnen war der Uni-Alltag in Irland ein großes Abenteuer. Bei unserer ersten Veranstaltung, einer Vorlesung zu Jugendrecht des 1. und 3. Semesters MA „Community and Youth Work“ am Montag, begleitete uns Herr Müller-Geib, ohne den wir wohl jetzt noch nach den Räumlichkeiten suchen würden. Zu unser aller Erstaunen war die Vorlesung eigentlich ein Seminar, was uns die aktive Mitarbeit ermöglichte. Wir konnten (und sollten) uns über die Unterschiede im irischen und deutschen Jugendrecht austauschen. Der wohl am meisten schockierende Unterschied war, dass in Irland bereits 10-jährige wegen Mord, Totschlag und sexuellen Übergriffen bestraft werden können. Davon abgesehen unterscheidet sich nur wenig vom deutschen Jugendrecht. Wieder was dazu gelernt!
Alles in allem war die Veranstaltung sehr interessant, was sicher auch daran lag, dass wir mit offenen Armen empfangen wurden und uns direkt wohl fühlten. Am nächsten Tag berichteten dieselben zwei Kurse über die Erfahrungen, die sie auf einer Exkursion nach Belfast gesammelt hatten. Es war erschreckend, wie die Studierenden davon berichteten, dass selbst noch heute neben dem tatsächlichen Zaun zwischen den beiden Gebieten vor allem eine mentale Grenze zwischen Katholiken und Protestanten besteht (Wenigstens schießt man nicht mehr aufeinander…). Es sei noch lange nicht daran zu denken, dass die früheren Grenzen in den Köpfen niedergerissen seien. Belfast sei für diesen Schritt „noch nicht bereit“. Interessant wäre es für uns nun sicherlich, selbst nach Belfast zu reisen und uns ein eigenes Bild von der angespannten Lage dort zu machen. Man kann aber durch die beiden ehemaligen „Demarkationslinien“, der Shankill-Road und der Fall-Street, heute ungefährdet zu Fuß laufen, wie Herr Müller-Geib aus eigener Erfahrung ergänzte.

An diesem Dienstag machten wir auch einen Ausflug nach Dublin, da wir Maynooth bereits erkundet hatten. Wir Studierende lernten im Guinness Storehouse etwas über die Herstellung des irischen Kult-Bieres. Abends freuten wir uns alle sehr darüber, Herrn Papenkort begrüßen zu dürfen, der uns einige Tage begleiten sollte. Wir waren gemeinsam im „Even Song“ in der St. Patricks Cathedral und fanden früher oder später alle noch irgendwie mit dem Bus zurück nach Maynooth (Anm.: Habe am besten immer einen Busplan zur Hand und glaube nicht alles, was dein Dozent dir sagt. Denn der sucht selbst unter den gefühlt tausenden von Haltestellen nach der richtigen. Und ja, Dublin hat wirklich enorm viele Brücken!).

Am Mittwoch nahmen wir an einer Veranstaltung zum Thema Jugendarbeit des 1.Semesters BA teil, welche auf jeden Fall ein Highlight darstellte. Der strukturelle Aufbau des Seminars unterschied sich grundlegend von dem unserer Seminare an der KH: Das dreistündige Seminar wurde eröffnet mit einem kleinen Spiel zum „Aufwachen“ und Kennenlernen. Dabei ging es unter anderem darum, die Namen der Studierenden und die der „german friends“ kennen zu lernen. Schon nach wenigen Minuten stellte sich heraus, dass die Iren in diesem Fall einen großen Vorteil hatten: Sie mussten sich lediglich fünf neue Namen einprägen, wohingegen wir uns gleich 30 neue Gesichter merken mussten, darunter eben auch ausgefallene irische oder gälische Namen wie Oishi oder Keith [Kiet]. Danach gab es mehrere Aufgaben für die Gruppenarbeit. Es ging unter anderem um soziale Kontrolle, die der Staat auf Kinder und Jugendliche ausübt. Wir sollten sie aus deutscher Sicht präsentieren. Die Beteiligung des Kurses war intensiv, es entwickelten sich interessante Gespräche und anregende Diskussionen.

Alles in allem war die Zeit in Maynooth am College wirklich toll. In einigen von uns konnte sogar das Interesse für ein Auslandssemester geweckt werden. Also: hopefully see you soon, Maynooth!

Am Donnerstagmorgen packten wir unsere sieben Sachen und zogen nach Dublin um. Aufgrund zu voller Busse musste sich unsere Gruppe teilen, Gruppe A fuhr mit Herrn Müller-Geib und Gruppe B war auf sich alleine gestellt. Wir wussten zwar, in welches Hostel es geht, aber weder genau, wo sich dieses befand, an welcher Haltestelle wir also aussteigen mussten, noch wer wie wann und wo einchecken würde. Um ein Haar wäre es uns wie der ersten Gruppe gegangen, die trotz Dozenten (KEIN ehemaliger Pfadfinder!) eine (gefühlt: einige) Haltestelle(n) zu spät ausgestiegen ist und ihre Koffer durch halb Dublin (= zwei Brückenabstände) ziehen musste. Glücklicherweise hatten wir ein paar Träumer dabei, die gedankenverloren aus dem Fenster starrten und im letzten Moment das „Four Court Hostel“ auf der anderen Seite des Flusses entdeckten. So war Gruppe B vor Gruppe A am Hostel. Lernerfolg: Träumend aus dem Fenster schauen, bleibt eine Tugend!

In Dublin sammelten wir viele Eindrücke, denn auch hier stand ein interessantes Programm an: neben irischen Mythen und Geschichten über Leprechauns, Kobolde und Elfen, dem Book of Kells und der alten Bibliothek des Trinity Colleges fand Freitag Vormittag ein Austausch mit zwei sogenannten Professional Pastoral Workers statt. Am Samstag erlebten wir eine atemberaubenden irische Landschaft bei Glendalough mit bis auf die Haut durchnässenden Regengüssen sowie grandiosen Weitsichten in den Wicklow Mountains. Auf der Heimfahrt fuhr uns der Busfahrer an den Häusern des U2-Leadsängers Bono und der irischen Sängerin Enya vorbei. Darüber hinaus lernten wir natürlich auch viel über den jeweils anderen Fachbereich kennen und konnten neue Bekanntschaften schließen.

Die Woche in Irland war spannend, interessant, bewegend, aktiv, lustig, voller Lachen, windig, aufregend, abenteuerlich, nass, irisch, unheimlich schön und ohne den Einsatz von Ihnen, Herr Müller-Geib, wohl nicht zu Stande gekommen. Vielen Dank, dass sie Freitagabend noch zum Flughafen gefahren sind und alles Menschenmögliche getan haben, um uns diese Reise mit nur einem Tag Verlust zu ermöglichen. Wir hoffen Sie kommen immer wieder dorthin, hören noch mehr irische Folklore (und zeigen Studierenden weitere Umwege durch Dublin).
An die Jahrgänge die nach uns kommen: Fahrt auf jeden Fall mit nach Irland. (Herr Müller-Geib wird nach eigenen Aussagen neue Umwege finden und weitere Bushaltestellen übersehen…) Das Land ist bezaubernd, Dublin pulsiert international und das St. Patrick´s College bietet viele lehrreiche Erfahrung.


von Jennifer Werner, Eva-Maria Rohrbacher, Prof. Dr. Werner Müller-Geib / Bild: Müller-Geib