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Physiotherapeutische Praxis im Ausland erleben - Kooperation ermöglicht Praktikumsaustausch mit Opole, Polen

Eine fremde Sprache lernen, eine neue Stadt entdecken und reichlich Praxiserfahrung in der Physiotherapie sammeln – Iwona Kujawska aus Opole, Polen hat in den vergangenen drei Monaten ihres Aufenthaltes in Mainz viel erlebt. Iwona ist Masterabsolventin der Opole Medical School, mit welcher der Fachbereich Gesundheit und Pflege der Katholischen Hochschule Mainz seit 2016 kooperiert. Die Kooperation ermöglicht Studierenden, an einem Praktikumsaustausch in der jeweiligen Partnerstadt teilzunehmen. Das Praktikum wird bei einem Praxispartner der Hochschule absolviert und kann aus Mitteln des Erasmus+-Programms gefördert werden. Praxispartner der Katholischen Hochschule Mainz im Berufsfeld Physiotherapie ist das Institut für Physikalische Therapie, Prävention und Rehabilitation der Universitätsmedizin Mainz.

Während ihres Praktikums war Iwona auf verschiedenen Stationen in die praktische Arbeit am Patienten eingebunden, berichtet Heike Maagh, stellvertretende Einrichtungsleitung und Koordinatorin des Studierendenaustauschs am Institut. „Die Austauschpraktikanten steigen aktiv in die Patientenarbeit ein. Zunächst zusammen mit den Teamkollegen – im Verlauf des Praktikums behandeln sie unter Supervision auch eigenständig Patienten“, ergänzt Heike Maagh. Keine so leichte Aufgabe, wenn man sich in einer fremden Sprache verständigen muss. Iwona hat bereits in der zweiten Woche ihres Aufenthalts einen Deutsch-Intensivkurs begonnen, den sie weiterhin dreimal in der Woche nach der Arbeit besucht. Mit den Kollegen und Patienten habe sie allerdings auch sehr gut auf Englisch kommunizieren können. „Je besser die Sprachkenntnisse, desto gewinnbringender ist der Aufenthalt sicherlich für beide Seiten. Gute Englischkenntnisse sind daher auf jeden Fall wünschenswert. Durch die tägliche Praxisarbeit bietet der Austausch allerdings auch eine sehr gute Möglichkeit, seine Kenntnisse der Landessprache zu vertiefen“, berichtet Heike Maagh. Sie ist sich mit Iwona einig, dass neben der Sprache vor allem eines für einen gelungenen Aufenthalt wichtig ist: Offenheit und die Bereitschaft aufeinander zuzugehen.

Internationalen Austausch in den Therapieberufen stärken

Der Praktikumsaustausch ist für beide Seiten eine Lernerfahrung. Am Institut könne man durch den Austausch beispielsweise Einblicke in die Physiotherapieausbildung anderer Länder gewinnen, beschreibt Heike Maagh. Während Physiotherapie in Deutschland ein schulischer Ausbildungsberuf ist, wird die Qualifikation für eine Tätigkeit als Physiotherapeut in Polen durch ein Studium erworben. „Wir merken, dass der Praxisbezug der Ausbildung in Deutschland intensiver ist. Dafür schafft das Studium beispielsweise weitreichendere Kompetenzen im Blick auf Studien oder Behandlungsleitlinien“, ergänzt Heike Maagh. Eine Stärkung des internationalen Austauschs und der akademischen Weiterentwicklung seien zudem wichtige Schritte für die Zukunft der Therapieberufe. „ Als Institut der Universitätsmedizin behandeln wir Patienten aus allen Teilen der Welt und bewegen uns in einem akademischen Umfeld. Im ärztlichen Bereich sind Austauschprogramme schon lange Gang und Gebe; für die Therapieberufe ist es ein konsequenter und wichtiger Schritt, den wir mitgehen möchten“, betont Heike Maagh.

Nicht zweifeln, einfach machen

Iwona konnte während ihres Aufenthaltes nicht nur ihre fachlichen Kenntnisse vertiefen, sondern sich auch persönlich weiterentwickeln. Von Mainz habe sie vor ihrem Aufenthalt noch nie gehört. In der neuen Stadt erst einmal anzukommen und sich sprachlich zu Recht zu finden, sei daher schon eine emotionale Herausforderung gewesen. Auf einer Veranstaltung an der KH Mainz und im Wohnheim habe sie dann jedoch schnell andere Studierende kennengelernt und Freundschaften geknüpft. Und Mainz hat sie auch lieb gewonnen. „Am liebsten bin ich am Rhein oder in der Altstadt. Es sind immer viele junge Leute unterwegs und trotzdem findet man dort auch Ruhe“, erzählt sie. Und ja, Fastnacht in Mainz habe sie natürlich auch mitgefeiert.
Auf die Frage, warum Studierende der KH Mainz das Austauschprogramm nutzen und für ein Praktikum nach Opole kommen sollten, antwortet Iwona: „Opole ist eine kleinere, gemütliche Stadt mit vielen Bars und Freizeitmöglichkeiten. Die Stadt liegt in Südpolen, nicht weit zu den Bergen und auch nach Breslau sind es nur ca. 80 km. Die jungen Leute sprechen überwiegend gut Englisch und viele ältere sogar auch Deutsch. Ich denke, die Sprache sollte daher keine Hürde sein.“ Und einen Rat hat sie für Interessierte auch: „Wer überlegt am Austauschprogramm teilzunehmen, sollte nicht lange zweifeln. Einfach machen und losgehen.“

Wer Interesse an einem Praktikumsaufenthalt in Opole hat, kann sich für weitere Informationen an das Praxisreferat des Fachbereichs Gesundheit und Pflege wenden (praxisreferat.gp[at]kh-mz(dot)de). Das Austauschprogramm richtet sich an Bachelor- und Masterstudierende des Fachbereichs Gesundheit und Pflege; Schwerpunkt Physiotherapie. Im Bereich Pflege und Hebammenwesen kann ein Praktikumsaufenthalt eventuell ebenfalls realisiert werden.
Ab einer Aufenthaltsdauer von 60 Tagen kann die Förderung des Auslandspraktikums durch Erasmus+ Mittel beantragt werden. Zur Förderung von Kurzzeitpraktika bis zu sechs Wochen schreibt die Hochschulgesellschaft forum sociale e.V. einmal im Jahr zwei Stipendien aus.

von Christina Mauer | Bild: KH Mainz