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Alumni at work

Was verbinden Sie spontan mit der Katholischen Hochschule Mainz?

Frederik Stopfkuchen berichtet zunächst von der angenehmen Atmosphäre, die er erlebt habe: „Ein angenehmes Studium, man kennt die Gesichter schnell, hat schnell einen persönlichen Kontakt und einen guten Draht zu den Dozenten. Und die Feste natürlich.“
Als langjähriger engagierter SK(F)H´ler betont er insbesondere die Möglichkeiten, sich studentisch in die Gremien einzubringen und das Hochschulleben aktiv mitzugestalten. Auch die Offenheit von Lehrenden, die nicht nur den Stoff durchbringen wollten, sondern auch förderten, dass man in die Tiefe schauen und Inhalte verinnerlichen kann, seien sehr bereichernd gewesen.
Kleine Wermutstropfen seien im Gegensatz zur Uni, an der er auch ein Semester studiert hat, das eher verschulte System und die Einschränkung der Auswahlmöglichkeiten für Seminare und Vorlesungen. Zudem sei der Platz in der Cafeteria leider nicht ausreichend gewesen.

Was ist die größte Herausforderung an Ihrer Arbeit in der Jugendhilfe im Strafverfahren/Jugendgerichtshilfe (JuHiS/JGH)?

„Herauszufinden, was eine passgenaue und sinnvolle pädagogische Hilfe ist, die man anbieten kann, um den jungen Menschen zu helfen“, erklärt Frederik Stopfkuchen. Das Ziel bei der Auswahl der zur Verfügung stehenden Interventionen sei immer eine Verbesserung der Lebenssituation seiner Klientinnen und Klienten. Dies dürfe man nicht aus dem Blick verlieren.
Die Vielfältigkeit seiner Tätigkeit mache die Arbeit interessant und - trotz Schreibtischjob – werde es ihm nie langweilig. „Es ist abwechslungsreich. Mein Klientel ist sehr unterschiedlich und spiegelt die Gesellschaft wider. Ich habe mit vielen unterschiedlichen Menschen und Institutionen zu tun“, sagt Frederik Stopfkuchen.
Dabei sehe er sich nicht als Kontrolleur von jugendlichen Straffälligen, sondern als der pädagogische Baustein in der gut funktionierenden interdisziplinären Zusammenarbeit mit Jugendgericht und Staatsanwaltschaft. „Die Zusammenarbeit basiert auf einer kollegialen und fachlich wertschätzenden Ebene“, betont Frederik Stopfkuchen. Das in Mainz implementierte Konzept „Haus des Jugendrechts“, das auch die räumliche Nähe ermöglicht, unterstütze diese Zusammenarbeit.

Wie war Ihr beruflicher Weg in die Jugendhilfe im Strafververfahren/Jugendgerichtshilfe?

Nach einem kurzen Einblick in die stationäre Jugendhilfe, habe er Kontakte aus dem studienintegrierten Praktikum in der Jugendpflege für den Wechsel in ein Mainzer Jugendzentrum genutzt, berichtet Frederik Stopfkuchen. Der Einstieg in die JuHis/JGH sei nicht geplant gewesen, sondern eine Gelegenheit, die er ergriffen hätte. „Da wird eine Stelle frei, du kannst dich drauf bewerben. Dann habe ich mich damit befasst und überlegt, ob ich mir das vorstellen könnte und hatte Glück. Nun bin ich hier und die Arbeit macht mir Spaß“, so Frederik Stopfkuchen. Die Stadt als Arbeitgeber mit den vielfältigen Einsatzgebieten für Sozialarbeiter/-innen sei für ihn eine positive Erfahrung und eröffne viele Möglichkeiten.

Fühlen Sie sich mit dem, was Sie aus der Hochschule mitbekommen haben für Ihre Tätigkeit gut qualifiziert?

„Grundsätzlich ja und zwar aus zwei Blickpunkten: einmal, weil die KH viel im Bereich Jugendhilfe macht und in den letzten Semestern viel über Fallverstehen gelernt wurde. Zum anderen, weil man eine gute Ausbildung im Recht bekommt und man Paragraphen lesen kann und auch noch versteht, was drin steht“, erklärt Frederik Stopfkuchen.
Auf Verbesserungsmöglichkeiten angesprochen, antwortet Frederik Stopfkuchen, dass er sich rückblickend einen noch deutlicheren Theorie-Praxis-Transfer gewünscht hätte. Nicht nur im Bezug zum studienintegrierten Praktikum, sondern als integraler Bestandteil der Lehre. So könnten beispielsweise regelmäßig Praktikerinnen und Praktiker Vorträge über ihr Arbeitsfeld halten und damit das bestehende Angebot (z.B. Seminar Praxisfelder, Jobmesse) ergänzen. Er selbst wäre durchaus bereit, sich hieran zu beteiligen.

Inwiefern hat die KH Ihre professionelle Identität beeinflusst?

„Besonders geprägt hat mich die Gremienarbeit. Das hat zwar zunächst nichts mit der Sozialen Arbeit zu tun, aber man lernt dadurch Umgang, Standing, sich zu behaupten  - was meiner Ansicht nach der Profession der Sozialen Arbeit in manchen Bereichen noch fehlt, aber gebraucht wird“, sagt Frederik Stopfkuchen. Während seiner Studienzeit an der KH Mainz war er Vorsitzender der SK(F)H, Senatsmitglied, Mitglied im Härtefallausschuss und studentischer Vertreter im Landesbeirat für die staatliche Anerkennung.
Wichtig seien auch einzelne Dozierende gewesen, bei denen er die Verbundenheit zur Sozialen Arbeit oder zur Bezugswissenschaft deutlich spüren konnte und die für ihn deshalb fachlich und persönlich anregend gewesen seien.

Was geben Sie den Studierenden mit auf den Weg?

Das Statement von Frederik Stopfkuchen lautet: „Studieren Sie das, wofür Sie sich entschieden haben mit Enthusiasmus, mit einem gewissen Idealismus und verlieren Sie dabei die Realität nicht aus den Augen“. Man könne in der Sozialen Arbeit etwas erreichen, wenn man sich engagiere.
Seiner Erfahrung nach gebe es nicht immer den „Königsweg“. Es sei daher wichtig, eine gewissenhafte Entscheidung zu treffen und diese dann auch zu vertreten.


Das Gespräch mit Frederik Stopfkuchen führte Sonja Burkard, Praxisreferat Soziale Arbeit | Bild: Burkard