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Alumni at work

Ihre berufliche Karriere startete Sabine Dohm-Zimmermann ursprünglich in der Hotelbranche. Dort hat sie unter anderem als Hotelbetriebswirtin im Ausland in der Hotelgeschäftsführung gearbeitet. Seit ihrem Bachelor-Studienabschluss im Jahre 2011 ist sie im Arbeitsfeld der Rehabilitation tätig. Sie arbeitete in der Sozialberatung von verschiedenen Kliniken mit den Schwerpunkten Psychosomatik, Rheumatologie und Onkologie. Aktuell ist sie verantwortlich für die Abteilung Sozialdienst der Onkologischen Rehabilitationsklinik Nahetal in Bad Kreuznach. Mitten im Kurviertel von Bad Kreuznach führt Sabine Dhom-Zimmermann seit 2012 zudem ihre eigene Therapie- und Beratungspraxis. Als Heilpraktikerin für Psychotherapie, Systemische Beraterin (DGSF) und Psychoonkologin ist es ihr möglich, eine breite Palette an passenden Therapie- und Beratungsangeboten zu bieten.

Frau Dohm-Zimmermann, Sie hatten vor Ihrem Studium der Sozialen Arbeit bereits eine Ausbildung und ein Studium der Hotelbetriebswirtschaft absolviert und erfolgreich im In- und Ausland gearbeitet. Was hat Sie dazu bewogen, das Studium der Sozialen Arbeit aufzunehmen?

Während meiner beruflichen Laufbahn hat sich bei mir die Idee entwickelt, langfristig eine Tätigkeit im psychosozialen Bereich aufzunehmen. Letztendlich reifte durch den Kontakt mit dem begleitenden Sozialarbeiter meiner beiden Pflegekinder der Wunsch, in diesem Berufsfeld zu arbeiten. Daraufhin folgte meine Bewerbung um einen Studienplatz an der KH Mainz.

Wie haben Sie die Doppelbelastung Studium und Familie gemeistert? Gab es von Seiten der Hochschule hier hilfreiche Unterstützung?

Den Stundenplan durften die studierenden Mütter vorrangig wählen, so passten die Anwesenheitszeiten an der KH meist gut in den Familienablauf hinein. Die Unterstützung in der Zeit des Studiums durch meine Familie war natürlich sehr hilfreich. Im Prinzip hatte ich immer das Ziel vor Augen, und wenn es einmal einen Durchhänger gab, hatten wir sogenannten „Geronto-Studierende“ uns gegenseitig motiviert und auch sehr durch Lerngemeinschaften gestützt. Die Dozenten der KH hatten immer ein offenes Ohr, sowie auch die Mitarbeiter des Prüfungsamtes und der Verwaltung. In der Tat, es gehörte allerdings ein gewisses Organisationstalent dazu und eine große Portion Humor. Doch ehrlich, ich weiß heute manchmal nicht mehr, wie ich das alles gestemmt habe.

Hatten Sie im Laufe des Studiums mal darüber nachgedacht abzubrechen bzw. alles hinzuschmeißen?

Nein, es war zwar eine sehr arbeitsintensive Zeit mit starker Belastung, aber den Gedanken ans Aufgeben hatte ich nicht.

Ihre Studienzeit liegt nun schon einige Zeit zurück und Sie konnten viele Erfahrungen im Beruf der Sozialarbeiterin sammeln. Was ist die größte Herausforderung bei Ihrer Tätigkeit in der Klinik und in Ihrer Beratungspraxis?

Im onkologischen Bereich schwingt immer auch das Thema Leben und Sterben, die Zerbrechlichkeit des Lebens mit. Von einem Moment auf den anderen kann plötzlich alles ganz anders sein. Das Leben der Patienten ist aus den Fugen geraten. Als Beraterin in diesem Kontext ist es besonders wichtig, sich mit diesen Themen persönlich auseinandergesetzt zu haben. Unterstützend war hier meine Weiterbildung zur Psychoonkologin.
Vor diesem Hintergrund sensibel und lösungsorientiert herauszuarbeiten, welchen Beratungsbedarf der einzelne Patient hat, sehe ich als Herausforderung. Welches Angebot in der Sozialberatung Priorität hat. Ist es die wirtschaftliche Sicherung aufgrund der langen Krankheitsphase? Ist es der massive Druck der Krankenkasse, der auf den Patient ausgeübt wird? Oder die Frage, wie geht es beruflich weiter? Ist es ein psychosoziales Thema, das den Patient bewegt? Die Herausforderung liegt hier darin, individuelle Handlungsspielräume des Patienten zu erweitern, Kompetenzen und Ressourcen zu stärken und Raum zu ermöglichen, eigene Lösungen zu entwickeln.

Und was ist die schönste Seite Ihres Berufes?

Die Arbeit mit Menschen, individuelle Lösungen zu erarbeiten und die Möglichkeit sie ein Stück auf dem Weg ihrer Entwicklung unterstützend begleiten zu können.

Welche Aspekte Ihres Studiums waren für ihren Berufsweg rückblickend besonders hilfreich?

Das war definitiv zunächst der Einblick in die unterschiedlichen Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit. Diese Kenntnisse sind in der Beratungspraxis dringend erforderlich, um notwendige Vernetzungen knüpfen zu können. Weiterhin das Kennenlernen der Methodenvielfalt in der Sozialen Arbeit.

Welche Erkenntnis aus Ihrer Studienzeit hat Sie nachhaltig geprägt?

Die Vorlesungen und Seminare über die Systemtheorie bei Frau Prof. Heinen waren für mich sehr erkenntnisreich und motivierten mich für die Weiterbildung zur Systemischen Beraterin. Die systemische Beratungshaltung prägt meine Beratungstätigkeit.

Welche Erwartungen haben Sie heute an Absolventen/-innen, die ins Berufsleben starten?

Ein gewisses sozialpolitisches Engagement, und ergänzend ein sozialrechtliches Interesse. Wichtig sind Empathie und Offenheit für individuelle Lebensentwürfe der Klienten.

Welchen Rat würden Sie der KH mit auf den Weg geben?
Die sozialrechtlichen Vorlesungen und Seminare sehe ich als erforderliche Basics für meinen Beratungsalltag an. Hier hätte ich mir einen Einblick in das SGB IX gewünscht. Aktuell wäre entsprechend das Bundesteilhabegesetz zu nennen.

Und zum Abschluss des Gesprächs noch ein Frage: Welchen Rat würden Sie den heutigen Studierenden mit auf den Weg geben?

Schon im Studium Schwerpunkte für den zukünftigen Arbeitsbereich zu bilden und nach Möglichkeit in den Semesterferien ergänzende Praktika angehen.


Das Interview mit Sabine Dhom-Zimmermann führte Andrea Hassemer, Praxisreferat Soziale Arbeit | Bild: Dohm-Zimmermann