Schriftgröße A A A

Unser Besuch in der zweitgrößten Stadt Russlands – ein Austausch mit der Universität für Psychologie und Soziale Arbeit in St. Petersburg

Aufgrund der Partnerschaft zwischen der KH Mainz und der Staatlichen Fachhochschule für Psychologie und Soziale Arbeit in St. Petersburg, die zudem ihr 25. Jubiläum feierte, konnten wir (5 Studierende des Fachbereichs Soziale Arbeit der KH Mainz) und Frau Prof. Ruth Remmel-Faßbender an einem internationalen Kongress zum Thema „Psychologie und Soziale Arbeit in der Modernen Gesellschaft - Aspekte und Lösungen“ teilnehmen. Dank des Bemühens von Frau Remmel-Faßbender konnte auch Frau Alena Bufetova, Mitarbeiterin in der Bibliothek der KH und russische Muttersprachlerin, die uns aus mancher sprachlichen Not rettete, an der Studienreise teilnehmen.

Vom 19.-23. April 2017 flogen wir also für fünf Tage nach Russland, immer noch im Ungewissen, was uns dort genau erwartete  (das sollte allerdings auch so bleiben, denn wir stellten ziemlich schnell fest, dass sich das Programm stündlich ändern konnte). Die Tagung war allerdings mit über 80 Referent/-innen in verschiedenen Sektionen sehr groß, was auch einen enormen Organisationsaufwand für die Fachhochschule dort bedeutete.

In St. Petersburg angekommen, erkundeten wir zunächst unsere Unterkunft. Unsere Appartements waren etwas rustikal, doch wir nahmen es mit Humor und passten uns den vorhandenen Gegebenheiten an. Zwischendurch fiel bei Minusgraden auch auf der ganzen Vasilievsky Insel das Fernheizsystem und damit an zwei Tagen auch das warme Wasser aus, was aber bei dem älteren System öfter vorzukommen  scheint und niemanden dort aus der Ruhe bringt.
Anschließend machten wir uns auf den Weg, um erste Eindrücke der riesigen Stadt zu gewinnen. Wir bewunderten die prächtigen Gebäude, Kirchen mit Zwiebeltürmen und die vielen Kanäle, die das Stadtbild prägen (ein Vergleich mit Venedig liegt nahe).

Am zweiten Tag unserer Reise stand dann die Konferenz an. Wir lasen interessiert das englischsprachige Programm und freuten uns auf die Vorträge, mussten jedoch schnell feststellen, dass diese ausschließlich in russischer Sprache gehalten wurden. Mittags besuchten wir dann eine Förderschule. Die Schulleiterin präsentierte uns stolz die Auszeichnungen, die ihre Schüler gewonnen haben, und führte uns durch die Räumlichkeiten. Dank der Übersetzung von Frau Bufetova konnten wir hier die Sprachbarriere überwinden und wurden von allen herzlich in Empfang genommen. Im Anschluss tauschten wir bei Tee und Keksen unsere Erfahrungen in der Behindertenpädagogik aus.                                    

Zurück an der Hochschule folgten nun studentische Vorträge, auch unsererseits, zum Thema „Familien mit komplexen Problemlagen“. Danach bot ein Runder Tisch Raum für interkulturellen Austausch. Um den letzten Sonnentag noch zu nutzen, machten wir abends (allerdings ohne Sonne, dafür mit Decken gewappnet) noch eine Bootsrundfahrt auf der Newa und wärmten uns danach bei georgischen Köstlichkeiten auf.

Der nächste Morgen überraschte uns mit Schnee. An Tag 2 der Konferenz hielt Frau Remmel-Faßbender einen Vortrag (von Frau Bufetova übersetzt), dem alle interessiert folgten. Mittags wurden wir dann spontan zur Besichtigung einiger Kirchen eingeladen, wobei uns allerdings der für St. Petersburg typische Stau ausbremste. Die Konferenz endete schließlich mit einer sehr interessanten Diskussion über Flüchtlinge. Es wurden uns einige Unterschiede bewusst, die in einem anderen politischen System, einer anderen Gesetzgebung oder den verschiedenartigen Migrationsursachen begründet sein könnten.

Spontanität wurde jedoch nicht nur unsererseits verlangt, sondern traf dann auch die dortige Kunstlehrerin, die uns sehr ambitioniert an einem Freitagabend, also in ihrer Freizeit, durch die Eremitage, das weltberühmte Kunstmuseum, führen durfte.

Den Samstag nutzten wir, um am Newski Prospekt (einer berühmten Prachtstraße) das russische Einkaufszentrum Gostiny Dvor, den Feinkostladen Jelissejew und das Singer-Haus (Haus des Buches) zu bestaunen. Anschließend ging es zur Peter-Paul-Festung.

Zum Abschluss unserer Reise besuchten wir abends ein Restaurant und ließen bei Borschtsch, Blini und anderen landestypischen Gerichten unsere Erfahrungen Revue passieren. Aufgefallen sind uns vor allem die starken Kontraste dieser Stadt zwischen sehr armen und reichen Menschen. Wir konnten erleben, wie Soziale Arbeit in anderen Ländern praktiziert wird (an der Konferenz nahmen auch Dozentinnen der Sozialen Arbeit aus Finnland und Kasachstan teil).  Die vielen gemeinsamen Erlebnisse trugen dazu bei, uns besser kennen zu lernen und den Zusammenhalt zu stärken. Vor allem danken wir Frau Remmel-Faßbender und Frau Bufetova, die uns so oft mit ihren Übersetzungen „aus der Patsche“ geholfen hat. Wer weiß, was wir sonst im Restaurant bestellt hätten ;-) Es war eine wunderschöne Zeit, die uns um viele wertvolle Erfahrungen bereichert hat. Spassiba (спасибо)!

von Marie Bogdan, Marie Apel, Julia Brumme, Melissa Brangenberg, Tobias Gotre | Bilder: KH Mainz