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Alumni at work

Was verbinden Sie spontan mit der Katholischen Hochschule Mainz?

Ein sehr freundliches Willkommen und eine Aufbruchsstimmung – sowohl im Studiengang Gesundheit und Pflege also auch bei mir persönlich.

Welche Eindrücke haben Sie heute noch von Ihrem Studium in Erinnerung?

Wenn ich an die Zeit in der KH denke, kommen viele verschiedene Bilder: Vorlesungen und Seminare, sowohl in der Aula als auch in den kleineren Seminarräumen – mit ganz unterschiedlichen Inhalten und vielen verschiedenen Dozenten. Und natürlich die Zeiten, in denen man sich einfach in der Mensa oder auf der Wiese vor der KH bei einem Kaffee entspannt hat.

Heute sind Sie in der Studiengangsentwicklung tätig. Was sind dabei Ihre zentralen Aufgaben?

Ich arbeite am Aufbau eines Studienganges der Humanmedizin an der Universität Luxembourg mit. Die Arbeit erfolgt in Kooperation mit anderen europäischen Universitäten.
Zu meinen zentralen Aufgaben zählen beispielsweise die Erstellung einer Machbarkeitsstudie, das Curriculum-Design, die Budgetierung sowie die Arbeit im Bereich internationaler Beziehungen mit Partneruniversitäten in Frankreich, Belgien und Deutschland.

Was ist die größte Herausforderung bei Ihrer Tätigkeit?

Die Abstimmung internationaler und nationaler rechtlicher und kultureller Kontexte bei der Planung des Projektes

Und was ist die schönste Seite Ihres Berufes?

Die Vielseitigkeit.

Welche Themen sind Ihnen (als Logopäde) besonders wichtig?

Im Rahmen dieses Projektes werden von vielen Beteiligten ganz unterschiedliche Ziele verfolgt. Mir ist es dabei wichtig, dass alle Entscheidungen über die Gestaltung des Studienganges immer auch hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Qualität der zukünftigen Patientenversorgung überprüft werden.

Hatten Sie im Laufe des Studiums mal darüber nachgedacht abzubrechen/alles hinzuschmeißen?

Zu keinem Zeitpunkt. Natürlich gab es Phasen, in denen die Arbeitsbelastung und die Motivation nicht unbedingt in Einklang waren. Aber ich stand zum Zeitpunkt meines Studiums an der KH schon ein paar Jahre im Berufsleben und wusste, dass das einfach zum (Berufs-)Leben dazugehört – und dass man sehr genau prüfen sollte, ob solche Phasen wirklich durch äußere Umstände (wie z.B. ein Studium) verursacht werden. Mir war aufgrund meiner Berufserfahrung ebenfalls sehr klar, dass ein Studium für mich persönlich der beste Weg war, mir neue berufliche Perspektiven zu schaffen - was sich im Nachhinein auch bestätigt hat. Dieser Ausblick hat mich immer wieder motiviert.

Ihre Studienzeit liegt nun schon einige Jahre zurück und Sie konnten viele Erfahrungen im Berufsleben sammeln. Welche Aspekte Ihres Studiums waren für Ihren Berufsweg rückblickend besonders hilfreich?

Die Interdisziplinarität des Studienganges. Die „Zweigleisigkeit“: neben fachspezifischen, therapeutischen Inhalten ebenfalls Wissen und Kompetenzen im Bereich des Gesundheitsmanagements erwerben zu können. Außerdem der Fokus im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens bzw. das Erlernen von Techniken des wissenschaftlichen Diskurses.

Welche Erkenntnis aus Ihrer Studienzeit hat Sie nachhaltig geprägt?

Die Erkenntnis, dass es unbedingt notwendig ist, die Qualität von wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen zu überprüfen. In diesem Zusammenhang auch die Erkenntnis bzw. das tiefere Verständnis der Tatsache, dass es wahrscheinlich unmöglich ist, die Realität „objektiv“ zu beschreiben.

Inwiefern kann bzw. sollte die Hochschule einen erfolgreichen Berufsweg ihrer Absolvent/-innen unterstützen?

Ich halte es allgemein für wichtig, dass alle Studienangebote auf die Arbeitsrealität und den Arbeitsmarkt zugeschnitten sind und dass die Curricula immer wieder mit den zukünftigen beruflichen Anforderungen in Einklang gebracht werden. Die hohe Dynamik und Vielschichtigkeit der Entwicklungen im Gesundheits- und Sozialwesen verlangt hier ein ständiges Monitoring und eine hohe Flexibilität seitens der ausbildenden Institutionen.

Und zum Abschluss des Gesprächs noch eine Frage: Welchen Rat würden Sie den heutigen Studierenden und der KH mit auf den Weg geben?

Im Bereich der therapeutischen Berufe halte ich es für besonders wichtig, dass Studierende neben den fachlichen Kompetenzen ein Bewusstsein für berufspolitische und gesellschaftliche Fragen entwickeln – und dass in diesem Zusammenhang auch kommunikative Fähigkeiten entwickelt werden: der Stand der Therapieberufe ist im deutschen Gesundheitswesen keineswegs gesichert – therapeutische Tätigkeit wird (zu Recht) immer wieder von vielen Instanzen kritisch geprüft. Es reicht nicht, „nur“ fachliche Kompetenzen zu erwerben und im Rahmen einer guten therapeutischen Arbeit anzuwenden. Meiner Meinung nach ist es ebenso wichtig, dass ein/e Therapeut/-in in der Lage ist, den Wert der therapeutischen Arbeit auch in größeren gesellschafts- und sozialpolitischen Kontexten zu verteidigen. Dazu ist zunächst eine selbstkritische Haltung notwendig. Im Weiteren ist es aber unabdingbar, stringent, sachlich und konstruktiv kommunizieren zu können. Eine kontinuierliche Arbeit in diesem Bereich sollte sowohl seitens der KH als auch seitens der Studierenden immer verfolgt werden.

 

Das Gespräch mit Oliver Glassl führte Dr. Bianka Wachtlin | Bild: Glassl