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Neues aus dem Projekt „shalk - Selbsthilfegruppenarbeit bei Aphasie zur Steigerung der Lebensqualität und Kompetenz“

Ziel des Projekts ist es, durch eine modifizierte Selbsthilfearbeit Lebensqualität und Teilhabe von Menschen mit neurologischer Sprachstörung (Aphasie) und ihren Angehörigen zu verbessern. Konkret wird angestrebt, dass Betroffene, anders als bislang üblich in diesem Bereich, eigenverantwortlich Selbsthilfegruppen aufbauen, leiten oder andere organisatorische Aufgaben in der Selbsthilfe übernehmen. Dazu wurden zunächst in einer Vorstudie verschiedene Aphasie-Selbsthilfegruppen sowohl unter der Leitung von Therapeuten/-innen, Angehörigen als auch bereits von Betroffenen mittels Beobachtung und Interviews untersucht. Zudem wurden Interviews mit Betroffenen geführt, die keine Selbsthilfegruppe besuchen. Damit konnten Gelingensbedingungen, aber auch Barrieren für eine erfolgreiche Selbsthilfearbeit identifiziert werden.

Basierend darauf wurde ein Schulungskonzept für Betroffene konzipiert, das zur Gruppenleitung befähigen soll. Im Sinne einer partizipationsorientierten Forschung konnte das Konzept in einem Expertenworkshop im September diesen Jahres an der KH Mainz weiterentwickelt werden. Am Workshop nahmen u.a. die Bundesgeschäftsführerin des Bundesverbands für die Rehabilitation der Aphasiker, Dagmar Amslinger sowie Vertreter/-innen von Betroffenen und Angehörigen teil. In der aktuellen Schulung werden insbesondere Moderationskompetenzen und biographieorientiertes Arbeiten vermittelt. Durch intensives Üben sollen Selbstbewusstsein und das Gefühl von Handlungsfähigkeit gestärkt werden. Die ersten acht Teilnehmer/-innen, die dann jeweils als Leitungstandem insgesamt vier Gruppen übernehmen werden, wurden im November 2016 geschult. Anschließend werden die Gruppen jeweils für sechs Monate intensiv betreut, um sie dann in eine verstärkte Selbstständigkeit zu überführen. Parallel gibt es ein gesondertes Gruppenangebot für die Angehörigen.

Erkenntnisse der Vorstudie und erste Konzeptideen konnten national wie international vorgestellt werden. So konnte das Projekt beim 30th Word Congress of the IALP (International Association of Logopedics and Phoniatrics)  - the worldwide organization of professionals and scientifics in communication, voice, speech language pathology, audiology and swallowing im August 2016 in Dublin präsentiert werden. Ein weiterer Vortrag folgte bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Aphasieforschung und -behandlung e.V. (GAB) im November 2016 in Osnabrück. Hier konnten auch Studierende, die u.a. im Projekt mitarbeiten, Poster zum Thema präsentieren. Dies zeigt die enge Verknüpfung von Forschung und Lehre an der KH Mainz. Durch die Präsentationen wurde zudem internationales Interesse geweckt, so dass aktuell seitens einer renommierten australischen Forschungsgruppe Interesse an einer Forschungskooperation besteht.

 

von Prof.in Dr. Sabine Corsten