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Vorwärts in die Vergangenheit - Eine Medienblockwoche im Herbst 2016

Montagmorgen, 10:00 Uhr in der Aula der Katholischen Hochschule Mainz – rund 130 studentische Augenpaare halten Ausschau nach den zehn Dozentinnen und Dozenten, die vorne an der Bühnenkante sitzen. Die bange Frage hängt im Raum: werden sie wieder singen?

Und selbstverständlich beginnt auch diese Medienblockwoche wie jedes Mal nach einer kurzen Begrüßung mit einem Mottolied, dessen Refrain „Oh Kinderzeit, oh Jugendglück – für kein Geld der Welt kommst du zurück“ (Ingo Insterburg und Co: Ich denk an meine Jugendzeit) als Einladung zum Mitsingen über den Beamer projiziert wird. Gemeinsames Singen ist aber nicht die einzige Besonderheit dieser medienpraktischen Pflichtveranstaltung, die von BA-Studierenden der Sozialen Arbeit zweimal, davon einmal gemeinsam mit den Studierenden des BA Praktische Theologie, besucht werden muss. Denn anders als in „normalen“ Lehrveranstaltungen ist nicht von vorneherein klar, „wo die Reise hingeht“ in den nächsten fünf Tagen.

Selbstverständlich sind die Lernziele klar, wie sie sich auch im Modulhandbuch finden: Die Studierenden „erfahren sich in kreativen Prozessen als Individuum und als Teil einer Gruppe (soziale Kompetenz) und bearbeiten ein praktisches Projekt bis zur Präsentation in einem (hochschul-)-öffentlichen Rahmen (Nutzungs- und Gestaltungskompetenz).“ Und das Ganze eben im Umgang mit den verschiedensten ästhetischen, technischen und digitalen Medien, von Musik, Tanz, Theater und Puppenspiel über Fotografie und Videoarbeit bis hin zu Webdesign, digitalen Comic-Projekten oder Apps und Mobiles. Aber der Weg hin zur „Aufführung“ – also der gemeinsamen Präsentation der Arbeitsergebnisse am Donnerstagabend und Freitagmorgen – ist bisweilen herausfordernd: sich einlassen auf das Medium, die Gruppe, die Themenstellung und dabei immer wieder schauen, wie die Balance zwischen Prozess- und Ergebnisorientierung gelingt, fordert Konzentration und Engagement ebenso wie Kreativität und Spontaneität.

Dass der Spaß bei alldem nicht zu kurz kommt, wird bei einem Rundgang durch die KH spätestens am zweiten Tag deutlich: Musik und Stimmengewirr in vielen Räumen, hier und da konzentrierte Stille. Gelegentlich schwappen Übungen aus dem Seminarraum in Flur, Treppenhaus oder Foyer; Kleingruppen hocken in einer Ecke und planen die nächsten Schritte oder probieren etwas aus.

Eine Gruppe, die die Moderation für die Präsentation übernommen hat, schickt immer wieder Späher/-innen aus, die in Erfahrung bringen, was in den anderen Gruppen so läuft; die Videogruppe baut dazu mit iMovie kurze Trailer, die als Einspieler in die Präsentation der einzelnen Gruppen einführen. Und am Ende steht der tosende Applaus der Kommilitonen/-innen, der Dozierenden, aber auch einiger Ehemaliger und Gäste, für die kreativen Beiträge als Belohnung für eine ebenso herausfordernde wie kreative Woche.

von Prof. Andreas Büsch | Bilder: Angelika Kamlage