Schreibtisch mit Laptop und Aktenordner.

Auf einen Blick

  • Projektkoordination:
    Dr. Manuel Iserloh, eHealth Ventures GmbH Berlin
  • Projektleitung:
    Prof.in Dr. Sabine Corsten, Katholische Hochschule Mainz
  • Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Laufzeit: 2020-2022

Konzeption und Entwicklung einer Plattform zur Telediagnostik und Teletherapie bei neurogenen Sprachstörungen - teletherapeutisches lebensgeschichtliches Erzählen zur Steigerung von Lebensqualität

Hintergrund

Pro Jahr erleiden in Deutschland ca. 270.000 Menschen einen Schlaganfall, davon sind 30% von einer neurologisch bedingten Sprachstörung, Aphasie, betroffen. Die Prävalenz, auch unter Berücksichtigung von Ursachen wie Schädelhirntraumata oder Tumoren, beträgt ca. 100.000. Menschen mit Aphasie erfahren einhergehend mit der Kommunikationsbeeinträchtigung ein verändertes, defizitorientiertes Identitätserleben und damit einhergehend eine verminderte Teilhabe und Lebensqualität. Der Nutzen von Biographiearbeit ausgerichtet auf sozialen Austausch und ressourcenorientiertes Vorgehen konnte bereits international sowie durch unsere Arbeiten (Projekt narraktiv) dokumentiert werden. Insbesondere im Gruppensetting kann soziale Teilhabe gefördert werden. Aufgrund von Einschränkungen in der Mobilität ist die Teilnahme an solchen Angeboten für Menschen mit Aphasie jedoch erschwert. Teletherapeutische Angebote können hier eine Lösung sein. Es konnte bereits gezeigt werden, dass Gruppentherapie bei Aphasie als Teletherapie umsetzbar ist, die Teilnehmenden das Format akzeptieren und die Lebensqualität positiv beeinflusst werden kann.

Zielsetzung

Übergeordnetes Ziel des Projekts TELL ist die Entwicklung einer digitalen Plattform zur erstmaligen Umsetzung multimodaler, teilhabeorientierter Biographiearbeit im Gruppen- und Einzelsetting bei Aphasie zur Steigerung der Lebensqualität. So sollen die Krankheitsverarbeitung unterstützt und die negativen sozialen Implikationen der Aphasie abgemildert werden. Mit der digitalen Lösung sollen zudem eine adäquate, digital basierte Diagnostik zur Analyse von Sprache und Mimik und ein effizientes Therapiemanagement zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus ermöglicht das Projekt Einsichten in den partizipativen Entwicklungsprozess digitaler Angebote für die Zielgruppe sowie in die Akzeptanz technischer Lösungen durch die Beteiligten (Ärzte*innen, Therapeut*innen, Wissenschaftler*innen) und die Teilnehmenden (Patienten*innen, Angehörige) und möglicher Förderkriterien.

Methode

In einem partizipativen Forschungsansatz wird eine Plattform entwickelt, welche die kognitiven und sensomotorischen Beeinträchtigungen der Betroffenen berücksichtigt und es ihnen ermöglicht, lebensgeschichtlich orientierte Gespräche zu führen. Das Vorgehen basiert auf der Methode narraktiv. Evaluiert wird die Plattform in einem Vorher-Nachher-Design mit Follow-up Untersuchung: Es werden 5 individuelle Interviewsitzungen und 7 Gruppensitzungen á 4 Teilnehmende, jeweils von einem*r Therapeuten*in geleitet, über einen Zeitraum von 10 Wochen online über ein sicheres synchrones Videokonferenzsystem durchgeführt. Die Teilnehmenden erhalten praktische Schulungen, Aphasie-freundliche Benutzerhandbücher und bei Bedarf Zugang zu Unterstützungsangeboten. Der Ansatz beinhaltet ein personalisiertes narratives Interviewformat in den Einzelsitzungen. Die Gruppensitzungen sollen die Auseinandersetzung mit der veränderten Identität unterstützen durch das Kennenlernen von Personen in der gleichen Lebenssituation. Wegen der sprachlichen Einschränkungen werden Methoden der unterstützten Kommunikation eingesetzt. Der personalisierte Charakter dieser Intervention entspricht den Empfehlungen für psychosoziale Schlaganfallinterventionen. Ein digitales Diagnostiktool soll kommunikative Fähigkeiten adäquat untersuchen, indem Parameter im Bereich Phonetik, Mimik etc. bestimmt werden.

Das Projekt wird im Rahmen der Maßnahme ‚KMU-innovativ‘ im Programm ‚IKT, Datenwissenschaft, Informationstechnologien, Industrie 4.0‘ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 870.000 Euro gefördert.