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Adventskalender 2019

„Read it! Hear it! Get it“

Im Seminar "Christlicher Glaube und Kultur" haben Studierende des Fachbereichs Praktische Theologie im Sommersemester einen etwas anderen Adventskalender entwickelt. Zu jedem Adventssonntag haben die Studierenden Bibeltexte (Lesung des Adventssonntags) mit einem Popsong verbunden und dazu ihre Gedanken aufgeschrieben. Wir laden Sie herzlich ein, sich von diesen Impulsen durch die Adventszeit begleiten zu lassen.

 

Read it!

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

Wie es in den Tagen des Noach war, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein.

Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen. Und von zwei Frauen, die mit derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen. Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht.

Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. (Mt 24,37-44)

 

Hear and see it!


 SIDO feat. Andreas Bourani: Astronaut

 

Get it!

„Fast 8 Milliarden Menschen – doch die Menschlichkeit fehlt!” Diese Stelle im Lied Astronaut von SIDO und Andreas Bourani geht mir immer sofort unter die Haut. Die Menschlichkeit? Stimmt! Wo ist im Alltag eigentlich oft die Menschlichkeit? Die Stimme der Vernunft verstummt immer mehr, wir hören sie nicht mehr.


Auch das Evangelium vom ersten Adventssonntag beschäftigt sich mit dieser Thematik. Es ist auf den ersten Blick ein sehr fremder Text, unverständlich, Widerspruch erzeugend. Letztlich aber enthält er eine Mahnung. Es geht nicht darum, voller Hochspannung zu leben und darauf zu warten, dem wiederkommenden HERRN zu begegnen, sondern darum, schon jetzt dem Willen Gottes gerecht zu werden, ihn zu leben und ihn, wie es im Songtext heißt, „zu lieben und zu sein“. Dabei ist es wichtig, dass wir wachsam sind für die „Sorgen und Probleme“ um uns herum. Wir sollten wieder anfangen, die Stimme der Vernunft wahrzunehmen, einander zu begegnen, zu helfen, zu unterstützen. Das wäre der Wille Gottes und würde auch Menschlichkeit zeigen.

Versuche doch mal, in der kommenden ersten Adventswoche genau daran verstärkt zu denken: Wo kann ich ganz konkret mir, meiner Umwelt, meinen Mitmenschen etwas mehr Menschlichkeit schenken? Dann fällt Dir vielleicht auch das Warten nicht mehr ganz so schwer…

Read it!

Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, / ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des HERRN ruht auf ihm: / der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, / der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. Und er hat sein Wohlgefallen an der Furcht des HERRN. / Er richtet nicht nach dem Augenschein / und nach dem Hörensagen entscheidet er nicht, sondern er richtet die Geringen in Gerechtigkeit / und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt das Land / mit dem Stock seines Mundes und tötet den Frevler / mit dem Hauch seiner Lippen. Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften / und die Treue der Gürtel um seine Lenden.


Der Wolf findet Schutz beim Lamm, / der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, / ein kleiner Junge leitet sie. Kuh und Bärin nähren sich zusammen, / ihre Jungen liegen beieinander. / Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter / und zur Höhle der Schlange streckt das Kind seine Hand aus. Man tut nichts Böses / und begeht kein Verbrechen / auf meinem ganzen heiligen Berg;
denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des HERRN, / so wie die Wasser das Meer bedecken. An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, / der dasteht als Feldzeichen für die Völker; die Nationen werden nach ihm fragen / und seine Ruhe wird herrlich sein. (Jesaja 11, 1-10)

Hear it!


Coldplay: Paradise


Get it!

Der Lesungstext für den zweiten Adventssonntag entwirft eine Utopie, einen Tagtraum, eine Vision von einem Paradies. Garant einer solchen Utopie, die nicht auf Erden verwirklicht werden kann (Utopie- griech.: ou topos = kein Ort) ist Gott allein. Selbst nach Katastrophen, Problemen oder Lebenskrisen ist Gott derjenige, der uns den Rücken stärkt und für Gerechtigkeit sorgt. Er unterstützt die Hilflosen und Armen, schlägt aber auch die Frevler. So werden in dem Text in symbolischen Bildern paradiesische Zustände beschrieben, die ein heilvolles Miteinander darstellen. Hier findet der Starke beim Schwachen Schutz und der Wolf beim Lamm. Hier leben gestrige Feinde in Frieden und Harmonie miteinander, das Kalb weidet bei dem Löwen. Aber noch mal: Das ist nicht in unserer Welt, das ist ein Leben im Paradies. Für solch ein Leben braucht es Gott, denn durch ihn wird ein gerechtes Leben gesichert. Gleichzeitig können wir aber auch den Anspruch aus diesem Text herauslesen, uns um solche Zustände zu bemühen, auf sie hinzuarbeiten.

Die Sehnsucht nach dem Paradies findet sich auch in dem Song von Coldplay. Das Mädchen träumt vom Paradies. Sie stellt sich die Welt und das Leben als einen wunderbaren Ort vor. Doch im Laufe der Zeit merkt sie, dass das Leben nicht immer einfach ist.
Vorstellungen vom Leben im Paradies sind vielfältig und sehr individuell. Es gibt durchaus Situationen im Leben, in denen wir denken: „Das sind gerade paradiesische Zustände.“ Doch das geht vorbei, sobald sich wieder etwas Schlechtes ereignet. Das Wichtige dabei ist, dass die Hoffnung bestehen bleibt, denn die Sonne muss jeden Tag untergehen, um wieder aufgehen zu können:
„I know the sun must set to rise”.

Wir möchten Dich in der kommenden zweiten Adventswoche dazu einladen, die paradiesischen Zustände Deines Lebens zu bemerken und zu erkennen. Falls Dir das nicht gelingt, weil gerade dunkle Schatten über Deinem Weg liegen, dann erinnere dich daran: „The sun must set to rise!“

Read it!

Jubeln werden die Wüste und das trockene Land, jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie. Sie wird prächtig blühen und sie wird jauchzen, ja jauchzen und frohlocken. Die Herrlichkeit des Libanon wurde ihr gegeben, die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon. Sie werden die Herrlichkeit des HERRN sehen, die Pracht unseres Gottes. Stärkt die schlaffen Hände und festigt die wankenden Knie! Sagt den Verzagten: Seid stark, fürchtet euch nicht! Seht, euer Gott! Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes! Er selbst kommt und wird euch retten. Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben werden geöffnet.

Dann springt der Lahme wie ein Hirsch.
Die vom HERRN Befreiten kehren zurück und kommen zum Zion mit Frohlocken. Ewige Freude ist auf ihren Häuptern, Jubel und Freude stellen sich ein, Kummer und Seufzen entfliehen. (Jesaja 35,1-6a.10)

Hear it!


Alicia Keys: No One

Get it!

Für immer an einem Ort bleiben können, wo es besser nicht sein kann. Eine Vorstellung, die kaum vorstellbar ist. Und dennoch singt Alicia Keys davon. Und auch in Jesaja 35 wird „ewige Freude“ und immerwährender Frieden versprochen. Es ist sogar mehr als ein bloßes Versprechen: „You can be sure.“ (Du kannst dich darauf verlassen.), so heißt es im Liedtext. Und in Jes 35, Vers 4: „Gott selbst kommt und wird euch retten“. Ist das nicht eine wunderbare Zusage, die Hoffnung schenken kann?


Doch was geht dem Jesaja-Text voraus? Es ist ein Text, der von Zerstörung durch und durch geprägt ist. Die Menschen hatten Angst, waren von Kummer geprägt und wussten keinen Ausweg.
Auch in unserem Leben finden wir Situationen, in denen wir in Krisen geraten. Wir fühlen uns verlassen, haben Kummer und sehen einfach keinen Ausweg mehr. Auch in den Wochen vor Weihnachten fühlen sich viele Menschen so. Teilweise werden diese negativen Gefühle in diesen Tagen verstärkt. Zum Beispiel gibt es Menschen, die an Weihnachten alleine sind, da sie keinen Kontakt mehr zu Familie und Freunden haben.

Doch genau in diesen ausweglosen Situationen brauchen und hoffen wir auf jemanden, der uns begleitet und uns Mut macht. Denn wie bei Alicia Keys Song, wenn es „in Strömen regnet und das Herz schwer wird“, ist jemand da und macht uns wieder stark. „Kummer und Seufzen entfliehen“. Auch wenn diese Person nicht immer sichtbar ist, ist sie doch bei jedem von uns und gibt uns Halt. Im Jesajatext ist diese Person Gott. Ja, es ist schwer vorstellbar, dass das so ist. Aber vielleicht kann „No one“ eine Brücke schlagen und uns etwas Vertrauen schenken, dass es wirklich einen Gott gibt, der uns wie den Menschen im Text Mut macht und uns unterstützend begleitet. Er stärkt unsere “schlaffen Hände und festigt unsere wankenden Knie”. Wir müssen uns keine Sorgen machen, denn alles wird gut werden.

Wer sind die Personen in Deinem Leben, die Dich auch bei “stürmenden Regen” und schweren Situationen begleiten? Wer ist immer an Deiner Seite, egal ob es gute oder schlechte Zeiten sind? Vielleicht kannst Du diese Möglichkeit heute nutzen, diesen besonderen Menschen Danke zu sagen.  

Read it!

Der HERR sprach weiter zu Ahas und sagte:

Erbitte dir ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott, tief zur Unterwelt oder hoch nach oben hin! Ahas antwortete: Ich werde um nichts bitten und den HERRN nicht versuchen.
Da sagte er: Hört doch, Haus Davids! Genügt es euch nicht, Menschen zu ermüden, dass ihr auch noch meinen Gott ermüdet? Darum wird der HERR selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau hat empfangen, sie gebiert einen Sohn und wird ihm den Namen Immanuel geben. (Jesaja 7, 10-14)


Hear it!


Eric Bazilian: One of us

Get it!

In dem Popsong von Joan Osborne „One of us“ steht die Frage: „If God had a name what would it be?” (Wenn Gott einen Namen hätte, welcher würde es sein?) Die Bibeltext gibt uns eine Antwort darauf, hier wird der Name genannt: „Immanuel“. Dieser Name kommt aus dem Hebräischen und bedeutet „Gott ist mit uns“. Wenn Gott also zusagt: “Ich bin mit euch.“, was könnten wir ihn dann noch fragen? Was heißt das in einer konkreten Situation des Alltags? Was heißt das für mich in einem bestimmten Moment meines Lebens, der von Freude erhellt ist oder auch mal von Traurigkeit getrübt?


Wenn Gott aber einer von uns ist, so wie es der Titel des Liedes beschreibt, können wir dann all unsere Fragen auf nur eine einzige reduzieren? Vor allem in der Adventszeit sollte man aufmerksam darauf werden, Gott in jedem Menschen neu zu begegnen und Gott zu sehen, neu zu staunen.

Gott hat viele Namen und ein einziger würde ihm nicht gerecht werden. So müssen wir immer wieder neu und mutig nach den Namen Gottes fragen, das heißt, ihn suchen. Gott, wer bist du für mich – gestern, heute, morgen? Bist du einer von uns, gehörst du zu mir oder bist du mir fremd? Welchen Namen kann ich dir, Gott, jetzt in diesem Moment geben?

Es ist egal, wie alltäglich meine Fragen sind. Denn Gott ist einer von uns und ist in Jesus Christus Mensch geworden. Er ist zu einem „heruntergekommenen“ Gott geworden in der Form eines hilflosen und verletzlichen Kindes. Kind war jeder von uns. So ist auch Gott einer von uns geworden in der Krippe, an einem Ort, wo niemand Gott vermutet hätte. Wie viele Situationen bringt uns der Tag, in denen wir Gott so auch erst einmal nicht vermuten würden?

Nimm Dir die Weihnachtszeit zum Anlass, um Gott Fragen zu stellen, denn sein Name „Immanuel“ gibt Dir die Zusage, dass er immer mit Dir ist. Lass Dich durch die Stimmung der Weihnachtszeit dazu verleiten, mutig Fragen zu stellen und so enger mit Gott in Beziehung zu treten.